Die Militärregierung ist international isoliert

25. September 2007, 15:13

Seit fast zwanzig Jahren haben die Generäle der burmesischen Militärregierung ihr Volk fest im Griff.

Sie regieren Burma mit harter Hand: Die Generäle Thura Shwe Mahn (l.), Thern Sein (2.v.l.) und Kyaw Win (3.v.l.).
Keystone Sie regieren Burma mit harter Hand: Die Generäle Thura Shwe Mahn (l.), Thern Sein (2.v.l.) und Kyaw Win (3.v.l.).

Von Jürgen Bätz, AP

Die Demokratiebewegung wurde 1988 blutig niedergeschlagen, das Regime ist seitdem international nahezu völlig isoliert. Die Menschenrechte werden missachtet, ethnische Minderheiten bekämpft. Die Generäle selbst sehen sich jedoch als Hüter der Einheit des Landes und des Fortschritts. 1988 gingen Hunderttausende auf die Strassen und forderten eine Abkehr von der damaligen Herrschaft von General Ne Win, der das Land schon 26 Jahre regierte.

Die Offiziere der heutigen Regierung schritten drastisch ein: Sie stürzten Ne Win und schlugen die Demokratiebewegung nieder, dabei kamen tausende Menschen ums Leben. Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi stand seither fast immer unter Hausarrest. 1990 siegte die Partei der späteren Friedensnobelpreisträgerin bei Parlamentswahlen, doch die Junta erkannte die Ergebnisse nicht an.

Abergläubischer General

Zunächst führte seit 1988 General Sawe Mung das Land, das die Machthaber in Myanmar umbenannten. Auf ihn folgte vier Jahre später Than Shwe, der das mehrheitlich buddhistische Land mit seinen rund 54 Millionen Einwohnern seither kontrolliert. Nur wenig ist über den Militärherrscher bekannt: Es heisst, der 1933 geborene Than sei stark abergläubisch und konsultiere vor wichtigen Entscheidungen immer seinen Astrologen.

Der Astrologe des Generals soll auch den Ort bestimmt haben, an dem der neue Regierungssitz Naypyidaw gebaut wurde. Alle Behörden wurden 2005 in die gut 300 Kilometer nördlich von Rangun gelegene Stadt verlegt. Die neue Hauptstadt wurde wohl auch aus Furcht vor einer ausländischen Invasion gebaut.

Welchen Lebensstandard sich die regierende Elite gönnt, wurde im vergangenen Jahr bekannt, als ein Video der Hochzeit von Thans Tochter Thandar im Internet auftauchte: Die Braut trägt bei ihrem Hochzeitsempfang teure Kleider und zeigt stolz ihre mit Diamanten besetzten Schmuckstücke. Dabei bekam sie Geschenke im Wert von rund 50 Millionen Dollar.

Feindschaft gegenüber Suu Kyi

Burma gehört heute zu den 20 ärmsten Länder der Welt: Die Militärregierungen wirtschafteten das einst wohlhabendste Land Südostasien herunter, das jährliche Pro-Kopf-Einkommen sank auf 200 Dollar.

Die Nummer zwei der Militärhierarchie, der 69-jährige General Maung Aye, gilt als noch skrupelloser als Than. Beide eint die Feindschaft gegenüber Suu Kyi. Die Oppositionsführerin ist die Tochter eines Helden des burmesischen Unabhängigkeitskampfes. Die 62-jährige, in Oxford ausgebildete «Lady», wie sie genannt wird, ist das international bekannte Gesicht der Demokratiebewegung.

1993 leitete die Regierung nach eigener Darstellung einen Demokratisierungsprozess ein, dessen erster Schritt im September 2007 mit der Erarbeitung von Richtlinien für die Verfassung abgeschlossen wurde. Einen Termin für ein Referendum oder freie Wahlen gibt es jedoch nicht.

Desolate Menschenrechtslage

Die EU und die USA haben Sanktionen gegen das Land verhängt und kritisieren die desolate Menschenrechtslage. Eine Macht stützt die Generäle jedoch: China. Politisch und wirtschaftlich ist Peking mit dem Regime verbunden. Zu Jahresbeginn verhinderte China eine Verurteilung Burmas im Uno-Sicherheitsrat wegen seiner Menschenrechtspolitik. Zuletzt machte auch die zweite Regionalmacht, Indien, dem rohstoffreichen Land Avancen, denn es gibt dort grosse Erdgasvorräte und auch Öl.

Bis 1948 gehörte das Land, das mit einer Fläche von 679’000 Quadratkilometern fast doppelt so gross ist wie Deutschland, zu Britisch-Indien. Nachdem das Land 1948 die Unabhängigkeit erreichte, gab es 14 Jahre zivile Regierungen. 1962 stürzte General Ne Win die Regierung unblutig, rief den burmesischen Sozialismus aus und leitete damit den wirtschaftlichen Niedergang Burmas ein.

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