Ein scheuer, alter und brutaler Militärherrscher

25. September 2007, 16:10 – Von Dominique Eigenmann

Seit 1992 hält General Than Shwe 50 Millionen Burmesen unter seiner Knute. Er bleibt dabei gerne im Hintergrund.

Than Shwe, 74, ist ein Schattenmann, den ausser seiner Familie und den engsten Gefolgsleuten kaum jemand kennt: Das Land und seine Machtorgane lenkt er per Dekret. 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Rangun hat er sich in seine irrwitzige neue Dschungel-«Hauptstadt» Naypydaw zurückgezogen. Interviews gibt er keine, öffentlich tritt er nur sehr selten auf: bei gelegentlichen Besuchen benachbarter Machthaber und Generäle oder anlässlich von Jahrestagen, an denen er die Gäste mit nichts sagenden Reden langweilt. Diplomaten beschreiben ihn als dumpf, ausgesprochen mürrisch und wenig gebildet.

«Werden jede Gefahr zermalmen»

Über Than Shwes Lebenswandel kursieren Gerüchte: Er beschäftige sich lieber mit dem Computer und dem Golfschläger als den Staatsgeschäften, sagt man. Und er geniesse den Luxus, den seine kleptokratische Herrschaft ihm und seiner Familie ermögliche. Berüchtigt geworden ist im vergangenen Jahr die juwelenreiche Hochzeit von Than Shwes Tochter Thandar, die gemäss exilburmesischen Quellen 50 Millionen Dollar gekostet habe - dreimal so viel, wie das Regime jährlich für die Gesundheitsversorgung des Volkes aufgibt.

Einer der letzten öffentlichen Auftritte des Militärherrschers war Ende März der nationale Feiertag zu Ehren der Streitkräfte. Ein Satz aus seiner dabei gehaltenen Rede hallte in den vergangenen Tagen düster nach, als sich der Aufstand der Mönche langsam formierte und schliesslich zu einer mächtigen Massenbewegung anschwoll: «Wir werden», hatte Than Shwe schon im März gedroht, «Hand in Hand mit dem Volk, jede Gefahr zermalmen, die von inneren und äusseren destruktiven Elementen ausgeht, welche die Stabilität des Landes stören.» Beobachter haben denn auch kaum Zweifel, dass der General den laufenden Aufstand mit eiserner Faust niederschlagen wird.

Than Shwe war nicht zufällig in jener Zeit in den inneren Zirkel der burmesischen Macht gelangt, als der damalige Militärherrscher General Saw Maung nach 1988 die Demokratiebewegung um die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi brutal auflöste. Als Than Shwe 1992 die Macht übernahm, setzten dennoch manche liberale Beobachter Hoffnungen in ihn. Tatsächlich kam es ab 1995 zu einer zaghaften Öffnung des Landes und seiner Wirtschaft; 1997 gelang Than Shwe auch die Aufnahme Burmas in die Organisation der südostasiatischen Staaten (Asean). Wenn es hart auf hart ging, erwies sich der General indes immer als Hardliner und Betonkopf. Er setzte Aung San Suu Kyi ohne Skrupel wieder fest, als sie ihm zu gefährlich wurde, ekelte internationale Organisationen aus dem Land, drangsalierte Presse und Volk, führte die brutale Verfolgung der ethnischen Minderheiten ebenso weiter wie die verheerende Misswirtschaft.

Bis vor einigen Jahren soll an der Spitze des Militärregimes fortwährend um Macht und Einfluss gerungen worden sein: Than Shwe galt dabei als Mittler zwischen dem noch unerbittlicheren General Maung Aye, der jetzige Nummer 2 der Junta, und dem liberaleren Premierminister Khin Nyunt. 2004 beendete Than Shwe den Machtkampf, indem er den öffnungswilligen Khin Nyunt stürzte und dessen Anhänger mit eigenen Gefolgsleuten ersetzte.

Seither trägt Than Shwes Herrschaft immer stärker monarchische Züge. Der 74-Jährige versteht sich offenbar als Herrscher auf Lebenszeit und will mit allen Mitteln verhindern, dass er so endet wie sein «grosser» Vorgänger General Ne Win, der Burma von 1962 bis 1988 regierte: Ne Win musste nach dem Sturz seinen Lebensabend im Hausarrest verbringen und wurde 2002 nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit beerdigt. Than Shwe dagegen träumt davon, als «wohlwollender König» in die Geschichte einzugehen.

Daran könnte ihn nicht zuletzt seine Gesundheit hindern: Than Shwe musste sich Anfang des Jahres während zwei Wochen in einer Klinik in Singapur behandeln lassen; gerüchteweise soll er unter Darmkrebs leiden.

Ausland

Meistgelesen in der Rubrik Ausland

24 Stunden in Bildern

Serie «Die Euro-Krise»

Die Top-Themen im

Die Libyen-Affäre




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten