Ahmadinejad spaltet New Yorks Gemüter
25. September 2007, 19:06 Von Martin KilianDer grosse Wirbel über den Auftritt von Präsident Ahmadinejad an der Columbia University hält an. Nun wird der Rücktritt des Rektors verlangt.
Er kam, er sprach - und nun soll die renommierte New Yorker Columbia Universität dafür büssen, dass sie den iranischen Staatspräsidenten Mahmoud Ahmadinejad eingeladen hat. Zwar war die Universität bereits im Vorfeld seines vorgestrigen Auftritts am Rande der Uno-Vollversammlung ins Kreuzfeuer der Kritik besonders jüdischer Organisationen geraten, weil sie dem Holocaust-Leugner aus Teheran eine Gelegenheit zur Selbstdarstellung biete. Nun aber wird der Ruf nach Konsequenzen laut. Dass der Präsident der Universität, Lee Bollinger, den iranischen Gast hart angriff und Ahmadinejad sich überdies mit seiner Behauptung, Homosexualität existiere nicht im Iran, lächerlich machte, half der Hochschule nicht: Kritiker verlangen Sanktionen und fordern den Rücktritt von Bollinger und Professor Richard Bulliet, der zuerst die Einladung an den Iraner ausgesprochen hatte.
Auch Hitler eingeladen
Niemals, so die Gegner des Auftritts, hätte die Universität sich als Bühne missbrauchen lassen sollen; schliesslich sei der unappetitliche Mann aus Teheran nicht nur als Feind Israels bekannt, er sei zudem Teil eines Regimes, das die Vereinigten Staaten im gesamten Nahen Osten herausfordere und im Irak hinter Anschlägen auf amerikanische Soldaten stehe. Womöglich aber beleuchten der Umgang mit Ahmadinejad und die Angriffe auf die Universität ebenso eine Tabuisierung wie der Aufruhr über eine in der «New York Times» geschaltete ganzseitige Anzeige der Antikriegs-Organisation MoveOn.org, worin der Oberbefehlshaber im Irak, General David Petraeus, als potenzieller Lügner charakterisiert wurde: Sowohl Israel als auch das amerikanische Militär geniessen dieser Leseart zufolge einen Sonderstatus. Als etwa ein Vertreter der Hamas vor Wochen auf der Meinungsseite der «New York Times» zu Wort kam, wurde der Zeitung wie jetzt der Universität vorgeworfen, sich als Podium für die Gegner Israels Position hergegeben zu haben.
Im Falle Columbias kommt erschwerend hinzu, dass der Dekan der Abteilung für internationale Angelegenheiten, John Coatsworth, die Anwesenheit Mahmoud Ahmadinejads mit den Worten verteidigte, man hätte auch Hitler eingeladen, solange dieser willens gewesen sei, an einer Debatte teilzunehmen.
Dass Coatsworth später abschwächte, er habe damit den Hitler «von 1939» gemeint, machte die Sache nur noch schlimmer - immerhin existierte Dachau zu diesem Zeitpunkt und hatte sich die Kristallnacht bereits ereignet. Jetzt soll die Universität zur Rechenschaft gezogen werden. Ihre Ehemaligen, so Caroline Glick in der «Jerusalem Post», dürften nicht mehr für ihre Alma Mater spenden, bis die Verantwortlichen ihrer Posten enthoben worden seien. Führende Politiker der Stadt wie des Bundesstaats New York wollen überdies prüfen, ob Columbia finanziell bestraft werden kann.
Denn Rektor Bollinger und die Universität, klagte die Stadträtin Christine Quinn, hätten dem «Hass-Schürer» Ahmadinejad zur Gelegenheit verholfen, auf einer der «prestigeträchtigsten Bühnen der Welt» zu sprechen. Die «New York Times» hielt dagegen, der Vorgang beleuchte Redefreiheit und Demokratie in den Vereinigten Staaten. Präsident George W. Bush schloss sich der Bewertung der Zeitung an: Der Auftritt des iranischen Präsidenten an der Columbia Universität spreche Bände über die amerikanische Meinungsfreiheit.
Die Studenten der Universität hatten einerseits gegen die Anwesenheit des Iraners auf dem Campus demonstriert, andererseits aber waren manche stolz auf ihre Alma Mater und den Rektor, der den Gast mit geharnischten Worten begrüsst hatte. Trotzdem sei der Auftritt Ahmadinejads «eine Zeitverschwendung» gewesen, kommentierte die Studenten Sara Aries. Denn dieser habe keine der ihm gestellten Fragen beantwortet. Die «New York Daily News» bezeichnete den ganzen Vorgang sogar als «monströse Idiotie».
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