Mit Tränengas gegen die Aufständischen
26. September 2007, 20:15 Von Oliver MeilerBei Auseinandersetzungen mit dem Militär sollen in Rangun mehrere Demonstranten getötet worden sein. Die Appelle an Burmas Alliierte werden lauter.
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Die Lage in Burma eskaliert. Am neunten Tag der Protestmärsche junger buddhistischer Mönche hat das burmesische Regime seine Drohung wahr gemacht und ist massiv gegen die Demonstranten vorgegangen. Die Armee setzte Tränengas ein und verprügelte Demonstranten, als diese versuchten, eine Sperre zu durchbrechen, um zu der Shwedagon-Pagode in Rangun, dem höchsten Heiligtum der burmesischen Buddhisten, vorzudringen. Das Militär feuerte Warnschüsse ab. Die Angaben zu den Opfern divergierten. Die Militärregierung bestätigte lediglich, dass eine Zivilperson ums Leben gekommen ist. Andere Quellen sprachen von bis zu fünf Toten. Dutzende Demonstranten sollen verletzt worden sein. Zunächst war auch unklar, ob sie von Schüssen getroffen wurden und ob unter den Opfern auch Geistliche waren. Dutzende Mönche sollen abgeführt worden sein; eine Quelle berichtete von 200. Einige hatten blutige Köpfe.
In Rangun, der früheren Hauptstadt, waren heute trotz des tags zuvor verhängten Versammlungsverbots wieder Zehntausende Geistliche, Oppositionelle von der National League for Democracy (NLD) von Aung San Suu Kyi und Studenten auf die Strasse gegangen. Sie skandierten Slogans wie «Demokratie, Demokratie» und «Wir wollen Dialog». Das erklärte Ziel der Bewegung ist es, die «Diktatur der Generäle» nach 45 Jahren zu stürzen. Einige Oppositionelle wurden mit den Worten zitiert, sie seien bereit, für dieses Ziel zu sterben. Die NLD berichtete, das Regime habe einen «irreparablen Fehler in der Geschichte» begangen, indem es befohlen habe, auf Mönche einzuschlagen.
Das Militär hatte schon im Morgengrauen, noch vor der Aufhebung der nächtlichen Ausgangssperre, Blockaden errichtet vor allen grossen Tempeln und Klöstern in Rangun und in anderen grossen Städten im Land. Lastwagen und Militärjeeps umgaben die City Hall von Rangun, der Stadthalle, wo es schon 1988, beim letzten grossen Aufstand, zu Zusammenstössen kam. Damals tötete die Armee mindestens 3000 Menschen. In der Nacht auf Mittwoch waren erneut mehrere Schlüsselfiguren der Opposition verhaftet worden. So auch ein populärer Schauspieler, der sich am Wochenende öffentlich solidarisiert hatte mit den Mönchen der «All Burma Monks Association». Andere Oppositionelle, so hiess es, tauchten unter.
China will sich nicht einmischen
Nachdem die Appelle aus dem Ausland an die Adresse des Regimes keinen Erfolg gebracht hatten, versuchten Menschenrechtsorganisationen Druck auszuüben auf Burmas Alliierte. Dazu gehören China, Russland und Indien. Burmas wichtigster wirtschaftlicher und diplomatischer Partner ist China. Peking hat kürzlich mit seinem Veto verhindert, dass der Uno-Sicherheitsrat eine Resolution formuliert gegen Burmas Regierung, wie das Europa und die USA gewünscht hatten. Doch China erklärt öffentlich, es mische sich generell nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten ein, so auch nicht in die burmesischen. In New York teilte unterdessen der französische Aussenminister Bernard Kouchner mit, dass sich der Sicherheitsrat mit der Situation in Burma befassen werde.
Washington will seine bereits bestehenden Handelssanktionen verschärfen und die Mitglieder der Junta mit einem Einreiseverbot belegen. Ein ähnliches Ansinnen äusserte die EU. Malaysia, einer der vorsichtigen Nachbarstaaten Burmas, ist gegen eine Verschärfung solcher Handelsboykotte und Strafmassnahmen, weil sie in erster Linie die burmesische Bevölkerung treffen würden.
Offensichtlich beschränkt das burmesische Regime die Massnahmen nicht auf das eigene Staatsgebiet. So konnte auf die in Thailand basierte Onlinezeitung «The Irrawaddy» heute nicht mehr zugegriffen werden. «The Irrawaddy» ist das wichtigste Medium der oppositionellen Exil-Burmesen.
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