Mindestens neun Tote in Rangun
27. September 2007, 17:26Burmesische Soldaten sind gewaltsam gegen tausende Demonstranten vorgegangen. Laut der Militärregierung sind mindestens neun Menschen ums Leben gekommen.
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Infografik
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Elf Menschen wurden bei Zusammenstössen zwischen Sondereinsatzkräften der Polizei und Demonstranten in Rangun verletzt, wie Regierungssprecher Ye Htut sagte. Auch 31 Sicherheitskräfte seien verletzt worden. Unter den Getöteten war nach Angaben eines Sprechers der japanischen Botschaft in Rangun auch ein 50-jähriger japanischer Fotojournalist, der für die Videonachrichtenagentur APF News arbeitete. Der neue japanische Aussenminister Masahiko Komura erklärte in Washington, er wolle Burma für den Tod des Japaners zur Verantwortung ziehen.
Die Nachrichtenagentur DPA berichtete von einem zweiten ausländischen Pressefotografen, der getötet worden sei. Beide seien in der Nähe der Sule-Pagode im Stadtzentrum Ranguns erschossen worden.
Weitere Augenzeugen berichteten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters von einem toten buddhistischen Mönch. Er wurde demnach getötet, als die Armee das Kloster Shwesettaw stürmte. Es galt mit acht weiteren von der Armee besetzten Klöstern als Hochburg der Protestbewegung. In mehreren Anlagen wurden so gut wie alle Mönche festgenommen und auf Militärfahrzeugen abtransportiert.
Drei Demonstranten wurden gemäss denselben Informanten getötet, als Soldaten das Feuer auf eine Menge in der Strasse an der Rennbahn im Osten Ranguns eröffneten. Ihre Leichen seien in einen Strassengraben geworfen worden. Den Angaben zufolge war zuvor ein Armeelaster in die Menge gefahren. Zudem seien mindestens 30 Demonstranten geschlagen worden. Passanten hätten einige Opfer in eine Privatklinik gebracht.
Wieder 70'000 auf der Strasse
Die Demonstrierenden hätten Ziegelsteine, Stöcke und Messer auf die Sicherheitskräfte geworfen. Sie hätten versucht, den Sicherheitskräften die Waffen zu entreissen, hiess es im staatlichen Fernsehen. In dieser «verzweifelten Situation» hätten die Sicherheitskräfte «Warnschüsse» abgeben müssen, lautete die Begründung des Regimes für die Übergriffe der Armee.
Augenzeugen und Diplomaten zufolge schossen Soldaten auch mit Schnellfeuerwaffen in die Menschenmenge. Bis zu 70000 Demonstranten hatten zuvor den Warnungen der Militärregierung getrotzt und waren erneut auf die Strasse gegangen. In Sprechchören forderten einige: «Gibt uns Freiheit». Tausende Menschen liefen nach den Schüssen durch die Strassen, auf denen blutigen Sandalen lagen.
«Ich glaube, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz der Verwundeten ins Spital geschickt wurde», sagte ein Informant, der im Spital arbeitet, in das auch der getötete Fotograf eingeliefert worden war.
Regime stellte Ultimatum
Den heutigen Schüssen im Zentrum Ranguns voraus gegangen waren Drohgebärden der Armee. Sie kündigten eine «extreme Aktion» an, sollten die Demonstranten ihre Proteste nicht schnell beenden. Wie Augenzeugen berichteten, wurden die Gegner der Militärregierung gar aufgefordert, ihre Protestmärsche «innerhalb von zehn Minuten» aufzulösen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Soldaten auf einer Strasse im Stadtzentrum verkündeten demnach über Lautsprecher, alle Demonstranten müssten sofort die Strasse verlassen. Andernfalls riskierten sie erschossen zu werden, lautete die Warnung gemäss einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.
Im Stadtzentrum seien etwa 200 Soldaten und Polizisten aufmarschiert, berichteten die Augenzeugen. Die Demonstranten seien daraufhin in Panik auseinander gerannt. Mehr als 100 Demonstranten wurden laut Augenzeugen festgenommen und mit Militärlastwagen weggebracht. Die Polizei reagierte auch mit Tränengas.
Vor allem junge Menschen und Studierende sowie einige wenige buddhistische Mönche hatte sich heute erneut dem Versammlungsverbot widersetzt. Die Demonstranten sangen die Nationalhymne und liessen den burmesischen Unabhängigkeitskämpfer und Freiheitshelden General Aung San hochleben. Dessen Tochter, die Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hat die Militärregierung seit zwei Jahrzehnten unter Hausarrest gestellt. «Die Menschen haben die ganze Strasse in Beschlag genommen», schilderte ein Augenzeuge.
Mönche im Kloster verprügelt
Am Morgen waren Soldaten bereits in zwei buddhistische Klöster im Norden von Rangun eingedrungen. Laut Augenzeugenberichten wurden mehr als 70 Mönche unter Schlägen abgeführt. Auch Politiker der Nationalen Liga für Demokratie, der Partei von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, wurden festgenommen.
Von den Razzien war das Kloster Ngwe Kyar Yan betroffen, wo mindestens 70 Mönche verhaftet wurden; ausserdem das Kloster Moe Gaung mit weiteren Festnahmen. Insgesamt sollen allein in Rangun etwa 200 Mönche verhaftet worden sein. «Selbst ein erkrankter Mönch wurde mitgenommen», klagte eine Klosterschülerin. Ein Mönch aus Ngwe Kyar Yan verwies auf Blutspuren am Boden, die nach seinen Angaben von Geschlagenen stammten. Auch hätten die Soldaten bei ihrer Razzia mehrfach in die Luft geschossen.
Ein britischer Diplomat sprach von Beweisen dafür, dass Mönche im Kloster Ngwe Kyar Yan am südöstlichen Rand von Rangun schwer geschlagen worden seien, als die Sicherheitskräfte am Morgen in die Anlage eindrangen. Es sei unbekannt, wie viele verletzt worden seien. Auf der Tarami-Strasse seien zudem vier weitere Menschen «ziemlich schlimm angeschossen» worden, sagte der Diplomat weiter.
Mehrere Oppositionelle in Haft
Kurz nach Mitternacht war bereits der Sprecher der Nationalen Liga für Demokratie, Myint Thein, verhaftet worden, wie dessen Familie mitteilte. Festgenommen wurden nach Parteiangaben ferner das Vorstandsmitglied Hla Pe und der frühere Parlamentsabgeordnete Pu Yin Shin.
Ein asiatischer Diplomat bestätigte derweil, dass sich die bekannte Oppositionsführerin Suu Kyi weiterhin unter Hausarrest in Rangun befindet. Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, sie sei möglicherweise in das berüchtigte Insein-Gefängnis verlegt worden.
Todesopfer bei Demonstrationen
Die Sicherheitskräfte waren gestern erstmals mit Gewalt gegen die Demonstranten vorgegangen. Dabei kamen nach Angaben aus Spitälern mindestens drei Menschen ums Leben, die Junta sprach von einem, die Mönche von fünf Toten.

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