Ziegler will Moratorium bei Biotreibstoffen
11. Oktober 2007, 17:18Der Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung Jean Ziegler fordert ein Moratorium von fünf Jahren für die Produktion von Biotreibstoffen.
Sein Bericht wurde heute zu Handen der Vollversammlung der Uno veröffentlicht.
Biotreibstoffe sollten auf der Basis von Pflanzen produziert werden, die nicht der Nahrungsmittelproduktion dienten, oder aus landwirtschaftlichen Abfällen, und nicht aus Ernährungskulturen, sagte Ziegler am Donnerstag in Genf. Nur so könne ein Preisanstieg von Getreide vermieden werden, der wiederum mehr Hunger über die Welt bringe.
Mit jeder Preissteigerung der Grundnahrungsmittel um ein Prozent litten 16 Millionen Menschen mehr an Unterernährung. Jedes Jahr kämen zwölf Millionen zu den heute schon 854 Millionen Unterernährten dazu. Von diesen wiederum sterben laut Ziegler jährlich etwa 36 Millionen.
Für eine 50-Liter-Benzintank-Füllung eines Autos würden 200 Kilogramm Mais benötigt, rechnete Ziegler vor. Damit könne eine Person ein ganzes Jahr ernährt werden.
Beispiel Brasilien
Der Uno-Sonderberichterstatter beklagte am Beispiel Brasiliens, dass die Ausweitung der Zuckerrohr-Anbaufläche auf Kosten der Kulturenvielfalt gehe: Wo sonst sieben bis zehn verschiedene Pflanzen gediehen, werde eine Monokultur betrieben.Ziegler fordert ein globales Abkommen, das Hunger-Flüchtlingen als Minimum provisorisch garantiert, nicht abgeschoben zu werden, sollten sie dadurch den Tod riskieren. Zu diesem Zweck könne zum Beispiel der Menschenrechtsrat die Flüchtlingskonvention von 1951 weiterentwickeln.
Drama am Mittelmeer beenden
In seinem Bericht forderte Ziegler von den Staaten zudem einen neuen Vertrag für den Umgang mit Hungerflüchtlingen. Seiner Ansicht nach sollte mindestens das Prinzip der provisorischen Aufnahme angewendet werden.
«Das humanitäre Drama, das sich am Mittelmeer abspielt, muss beendet werden», sagte Ziegler. «Die Europäer antworten nur mit militärischen Mitteln auf das Problem. Hungerflüchtlinge sind nicht Wirtschaftsflüchtlinge. Sie kämpfen um ihr Leben.»
Ziegler schlug vor, dass das nächste Abkommen, das die Flüchtlingskonvention von 1951 ergänzen wird, vom Menschenrechtsrat in Genf ausgearbeitet werde.
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