Kommentar
Chance für ganz Amerika
28. Oktober 2007, 23:37 Von Christof Münger
Cristina Kirchner und Hillary Clinton haben vor allem eines gemeinsam: Das halbe Leben mit der Macht verheiratet, wollen sie endlich selber an die Macht. Nun ist Kirchner am Ziel. Als erste gewählte Präsidentin Argentiniens wird sie in die Geschichtsbücher eingehen. Dorthin will ihr Clinton in einem Jahr folgen. Sollte sie tatsächlich als erste Frau ins Weisse Haus gewählt werden - und so sieht es aus - könnte sich die Freundschaft der beiden als Segen für Amerika erweisen, und zwar für ganz Amerika, Nord und Süd.
Beide Politikerinnen stehen vor einem schweren Erbe. Kirchners Vorgänger und Gatte hat sich so sehr darauf konzentriert, Argentiniens Krise von 2001 zu bewältigen, dass die Beziehungen zu den USA verkümmerten. Dabei ist Argentinien als zweitgrösstes Land Südamerikas auf gute Beziehungen zum reichen Norden angewiesen: Soll das Wirtschaftswachstum anhalten, muss die neue Präsidentin vermehrt ausländische Investoren anlocken. Dass sie dazu fähig ist, zeigt die sichtbare Freude, mit der sie sich bereits auf internationalem Parkett bewegt.
Weit grösser muten die Probleme einer allfälligen Präsidentin Clinton an. Wer immer die Bush-Nachfolge antritt, steht vor einem Scherbenhaufen. Die Beziehungen zu Lateinamerika wurden zu lange vernachlässigt. In Argentinien bestünde jedoch die Chance für einen Neuanfang, vor allem für eine Präsidentin Clinton. Sie und Kirchner schätzen sich, die Parallelen in ihren Biografien sind bekannt. Dafür wäre Argentinien wohl bereit, die USA im Kampf gegen Regime wie jene in Burma oder im Sudan zu unterstützen für Menschenrechtsanwältin Kirchner eine Herzensangelegenheit.
Alles schön und gut, wäre da nicht Hugo Chávez. Der Linkspopulist aus Venezuela hat einen guten Draht nach Havanna und Teheran und damit das Potenzial zum Erzfeind der USA. Gleichzeitig unterhält er beste Beziehungen zu den linksliberalen Kirchners. Will sich Clinton nur schon die Nomination zur Kandidatin der Demokraten sichern, darf sie keine Sympathien hegen für Chávez-Freunde. Es ist daher ungewiss, ob eine Präsidentinnenfreundschaft Kirchner-Clinton die politische Realität überleben würde. Schuld wäre ein Mann, der zwischen zwei Frauen tritt auch das kommt vor.

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