Ausland

TV-Spots zur Abschreckung

29. Oktober 2007, 22:30 – Von Martin Dahms

Spanien versucht mit Erfolg, die Zahl der Bootsflüchtlinge aus Afrika zu reduzieren.

Am fünften Tag der Überfahrt hatte das Cayuco mit 57 schwarzafrikanischen Migranten an Bord sein Ziel fast erreicht: Bis zur nächsten kanarischen Insel waren es noch 157 Kilometer, zeigte das GPS-Navigationssystem an. Der erste Treibstoffkanister war leer. Als der Senegalese Leidi Fall den Ersatzkanister öffnete, stellte er fest, dass darin nur Wasser war. Das Holzboot, das vom nordmauretanischen Nouadibou in See gestochen war, wurde von den Meeresströmungen in Richtung Süden getrieben.

Zwei Wochen später, am vergangenen Mittwoch, stiess ein spanischer Fischkutter in der Nähe der Kapverdischen Inseln auf das Cayuco. Darin ein einziger Überlebender, Leidi Fall, und sieben Leichen. Die anderen 49 Männer hatte der Atlantik verschlungen: Einige waren im Schlaf von ihren Leidensgenossen ermordet und über Bord geworfen worden, andere sprangen verzweifelt ins Meer, der Rest verdurstete.

Konsequentere Abschiebungen

Leidi Fall hat die dramatische Geschichte am Sonntag im Hauptkrankenhaus der senegalesischen Hauptstadt Dakar einem Reporter von «El País» erzählt. Ein Schiff der spanischen Regierung hatte ihn und die sieben Leichen am Freitag nach Senegal gebracht. Am Montag sollte der einzige Überlebende der Todesfahrt von der Polizei vernommen werden. Wer dafür verantwortlich ist, dass der Kanister mit Wasser statt Treibstoff gefüllt war, vermochte Leidi Fall nicht zu sagen.

Die spanische Regierung versucht mit allen Mitteln, die lebensgefährlichen Überfahrten über den Atlantik Richtung Kanaren zu stoppen. Die Zahlen sprechen dafür, dass ihre Politik soweit erfolgreich ist: Im Laufe dieses Jahres sind 13 000 Migranten auf den Kanaren oder an der spanischen Mittelmeerküste gelandet, fast zwei Drittel weniger als zu dieser Zeit vor einem Jahr. Die konsequenteren Abschiebungen sind wahrscheinlich einer der Gründe für diesen Rückgang. Entscheidender dürfte die Kooperation mit den Herkunftsländern, vor allem Mauretanien und Senegal, sein. Die westafrikanischen Staaten erlauben Patrouillenbooten der Guardia Civil und der europäischen Grenzschutzagentur Frontex seit einem Jahr, in ihren Hoheitsgewässern nach Cayucos Ausschau zu halten. Dafür hat Spanien die Entwicklungshilfezahlungen an diese Länder aufgestockt.

Neue Wege sind die Spanier in den vergangenen Wochen gegangen, als sie im senegalesischen Fernsehen Fernsehspots mit der Botschaft ausstrahlen liessen: «Tausende junge Leute sind gestorben. Setz dein Leben nicht aufs Spiel. Du bist die Zukunft Afrikas.» Den Text spricht der Musiker Youssou N'Dour. Dazu sind Bilder toter Migranten zu sehen, die das Meer an die Küsten der Kanaren geschwemmt hat.

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