Ausland

Tödlicher Taser-Einsatz

17. November 2007, 08:11

In Kanada starb erneut ein Mensch nachdem er von einer Elektroschockpistole getroffen wurde. Auch in der Schweiz wird derzeit über den Einsatz der Waffe diskutiert.

Der kanadische Sicherheitsminister Stockwell Day kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an, wie US-Medien berichteten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte einen grundsätzlichen Verzicht auf die Waffe.

USA: Inner sechs Jahren 280 Tote

Der Taser, der dem Opfer mit Nadelelektroden einen kurzen, heftigen Elektroschock versetzt, gilt als nicht tödlich. Seit 2001 sind laut der «New York Times» in den USA jedoch 280 Menschen gestorben, nachdem sie von einem solchen Schuss getroffen wurden. In Kanada wurden seit Juli 2003 18 Todesfälle registriert.

Auch in der Schweiz wird derzeit über den Einsatz der Waffe diskutiert. Der Nationalrat hatte die Taser im Herbst mit 75 zu 67 Stimmen zusätzlich in die Liste «Hilfsmittel» aufgenommen, die bei Rückführungen von Personen mit widerrechtlichem Aufenthalt in der Schweiz eingesetzt werden dürfen.

Ständeratskommission hält dagegen

Die knappe Mehrheit der Ständeratskommission will demgegenüber nur Schlag- und Abwehrstöcke, Reizstoffe und Schusswaffen zulassen, nicht aber «nicht tödlich wirkende Destabilisierungsgeräte». Die kleine Kammer soll deshalb in der Wintersession bei ihrer Version und beim ursprünglichen Antrag des Bundesrates bleiben.

Zu dem jüngsten Vorfall im kanadischen Vancouver war es gekommen, weil ein aus Polen kommender Einwanderer nach einer zehnstündigen Einreise-Prozedur seine Mutter am Flughafen nicht mehr finden konnte. Er geriet in Panik, begann auf Polnisch zu schreien und warf mit einem Stuhl um sich, weshalb die herbeigerufenen Polizisten mindestens zwei Schüsse abgaben.

Polizei beschlagnahmte Video

Ein erst jetzt veröffentlichtes Video zeigt, dass die Beamten die umstrittene Waffe schon 46 Sekunden nach ihrem Eintreffen einsetzten, obwohl sie nicht von dem Polen bedroht wurden. 68 Sekunden nach ihrem Eintreffen lag der Mann regungslos am Boden.

Nach einem Bericht der kanadischen Zeitung «Globe and Mail» hatte eine Mitreisende unmittelbar vorher noch versucht, den Mann zu beruhigen. «Alles, was der Mann brauchte, war ein Dolmetscher», sagte sie. «Er war für niemanden eine Gefahr.»

Die Polizei hatte das von einem Mitreisenden gedrehte Video zunächst beschlagnahmt, nach der Androhung juristischer Schritte jedoch wieder herausgegeben.

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