Caritas: Korruption und sexuelle Belästigung in Indonesien

02. Dezember 2007, 11:36

Caritas Schweiz ist beim Wiederaufbauprogramm in Indonesien mit einem Korruptionsfall und dem Vorwurf sexueller Belästigung gegen den Chefdelegierten konfrontiert.

Der Chefdelegierte in der indonesischen Provinz Aceh erhielt nach dem Vorwurf der sexuellen Belästigung einen Verweis von Caritas Schweiz, wie Direktor Jörg Krummenacher bekannt gab. Dieser Entscheid werde auch von den beiden betroffenen Frauen mitgetragen, schreibt Krummenacher. Caritas bedauert die Vorfälle nach eigenen Angaben, hält aber am Chefdelegierten fest.

Alle Mitarbeitenden vor Ort, so die Organisation weiter, seien offen und transparent über die Ergebnisse der sorgfältigen Abklärungen und über die beschlossenen Massnahmen informiert worden. Auch sie hätten sich übereinstimmend bereit erklärt, unter den gegebenen Rahmenbedingungen weiter mit dem Chefdelegierten zusammenzuarbeiten. Der Caritas-Direktor reagierte damit auf ein anonymes E-Mail, das die Probleme am letzten Mittwoch bekannt gemacht hatte, und auf einen Bericht der «SonntagsZeitung», der er eine tendenziöse Darstellung vorwarf.

Schmiergelder an lokale Behörden

Weiter geht es um einen Korruptionsvorwurf. Zwei am Wiederaufbau beteiligte indonesische Unternehmen haben laut Caritas einen Betrag von rund fünf Prozent der mit dem Hilfswerk vereinbarten Bausumme reserviert, um Behörden und Schlüsselpersonen zu beeinflussen. Die Firmen beauftragten einen lokalen Mitarbeiter und zwei ehemalige Caritas-Mitarbeitende gegen eine Entschädigung, das Geld zu übergeben. Dadurch sind laut Caritas insgesamt 147’483 Franken verteilt worden.

Man habe den Vorfall sofort nach Bekanntwerden im vergangenen April sorgfältig abgeklärt, auch unter Beizung der Antikorruptions-Organisation Transparency International. Dabei habe sich gezeigt, dass Caritas Schweiz keinen Schaden erlitten habe und dass die Beweislage unklar sei, schreibt Krummenacher. Der lokale Caritas-Mitarbeiter sei fristlos entlassen worden. Wegen der unklaren Beweislage habe man auf eine Strafanzeige verzichtet und auch beschlossen, mit den beiden verwickelten Firmen weiterzuarbeiten – dies auch, weil ein Wechsel zu anderen Unternehmen mitten im Bauprozess viel gekostet hätte.

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