Beim Klima bleiben die USA unverbindlich
08. Dezember 2007, 15:19Die Hoffnungen, die USA würden sich an der Uno-Klimakonferenz in Bali auf die Reduzierung ihres Schadstoffausstosses festlegen, zerschlagen sich im Wind.
Von Michael Casey
Der amerikanische Delegationsleiter Harlan Watson erklärte in Bali, die USA würden sich nicht auf verbindliche Reduktionsziele festlegen. Damit machte er die Hoffnungen von Entwicklungsländern zunichte, im Abschlussdokument der Konferenz eine Emissionsminderung durch die Industrieländer um 25 bis 40 Prozent festzuschreiben. «Wir sind nicht bereit, das hier zu tun», sagte Watson.
Watson hatte noch Anfang der Woche das Washingtoner Konzept für den Kampf gegen den Klimawandel mit Technologie, Wirtschaftshilfe und -wachstum vorgestellt. Nun beharrte er aber darauf, dass Bali nicht der Ort sei, über Emissionskürzungen zu sprechen. Die USA sind als einziges bedeutendes Industrieland nicht dem Uno-Protokoll von Kyoto beigetreten, das eine Verringerung des CO2-Ausstosses auf einen Stand von unter fünf Prozent der Menge von 1990 vorsieht. In Bali geht es auch bereits um Möglichkeiten für ein Nachfolgeabkommen unter Einbeziehung der asiatischen Boom-Staaten China und Indien.
China nennt Haltung der Industriestaaten unfair
Die beiden Schwellenländer betrachten ihrerseits verbindliche Emissionsziele für Entwicklungsländer - zu denen sie sich zählen - als unfair. Das chinesische Delegationsmitglied Su Wei sagte, vor allem für die USA gebe es noch viel Raum, «Lebensstil und Verbrauchsmuster zu ändern, um zum Schutz des globalen Klimas beizutragen». China pumpe erst seit ein paar Jahrzehnten industrielle Schadstoffe in die Atmosphäre, die Industrieländer schon seit Jahrhunderten. Zudem verweist China darauf, dass gemessen pro Kopf der Bevölkerung China nur ein Sechstel dessen emittiert wie die USA.
Der Chef-Klimaforscher der Uno, Rajendra Ochauri, sagte, es sei nahezu unmöglich, von den Entwicklungsländern eine Zustimmung zur Reduzierung ihres Schadstoffausstosses zu erwarten, wenn ihre Pro-Kopf-Emisssionen so deutlich unter denen des Westens liegen. «Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die entwickelten Länder durch Taten und Verpflichtungen eine moralische Grundlage für Entwicklungsländer schaffen, ihrerseits die Last zu akzeptieren», sagte er. «Ohne dies wird nichts passieren. Mit derart unterschiedlichen Pro-Kopf-Werten wird niemand in der Dritten Welt Verpflichtungen eingehen.»
Trotz der deutlichen Differenzen zog der Chef der Uno-Klimarahmenkonvention, Ivo de Boer, eine positive Bilanz der ersten Woche der Weltklimakonferenz. «Ich habe eine starke Bereitschaft der Staaten beobachtet, ein positives Ergebnis zu bekommen», sagte er. Er sei optimistisch, dass die Konferenz mit einer Vereinbarung enden werde.




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