Regierung Prodi ordnet Streik-Ende an

11. Dezember 2007, 20:17

Die Regierung Prodi setzt dem Streik der italienischen Lastwagenfahrer ein Ende. Es wurde eine Verordnung erlassen, den Protest ab Mitternacht zu beenden.

Kolonnen und Lieferengpässe: An zahlreichen Tankstellen neigen sich die Benzinreserven dem Ende entgegen.
Keystone Kolonnen und Lieferengpässe: An zahlreichen Tankstellen neigen sich die Benzinreserven dem Ende entgegen.

Laut Verkehrsminister Alessandro Bianchi bedeutet dies, dass LKW-Fahrer, die den Dienst verweigern und weiterhin die Strassen blockieren, mit einer Anklage vor der Justiz zu rechnen haben.

Das Kabinett entschloss sich zu diesem Schritt, nachdem ein Versuch der Regierung Prodi, mit den kämpferischen Lastwagenverbänden zu verhandeln, kläglich gescheitert war. Knapp eine Stunde sassen die Vertreter der Verbände mit Bianchi an einem Tisch in Rom zusammen. Die Camionneure haben heute nach Gesprächen mit der Regierung angekündigt, ihre gestern begonnene Protestaktion bis Freitag aufrechtzuerhalten. Auf zahlreichen Strassen ist der Verkehr zum Erliegen gekommen.

Von den Blockaden durch quer stehende Lastwagen betroffen ist auch die Schweiz. Für die Camions Richtung Süden wurde auf der Gotthard-und San-Bernardino-Route auch heute die rote Phase verhängt, wie Viasuisse mitteilte.

Für die Tessiner Wirtschaft seien die Blockaden ein harter Schlag, sagten Vertreter der kantonalen Handelskammer und der Industrievereinigung gegenüber dem Radio der italienischsprachigen Schweiz (RSI). Zum einen würden die Lieferungen von Rohmaterialen teilweise ausbleiben, zum anderen komme es beim Export von Fertigprodukten oft zu Verspätungen.

Immenser Schaden

Klagen wurden auch aus dem italienischen Agrarsektor laut. Die Bauernvereinigung beziffert den Schaden, der der Branche durch die Protestaktion entsteht, auf über 200 Millionen Euro pro Tag, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Verhandlungen zwischen Vertretern der Transportbranche und der Regierung in Rom blieben heute ergebnislos. «Dies ist nicht die Art, wie man Probleme angeht», sagte Ministerpräsident Romano Prodi.

Die Transportunternehmen fordern unter anderem eine Senkung der Spritsteuer.

Ganzes Land steht still

Durch quer gestellte Lastwagen ist der Verkehr auf Italiens Strassen an zahlreichen Orten zusammengebrochen. Fast überall kam es zu Kolonnen und zu Lieferengpässen. In vielen Geschäften waren heute keine frischen Lebensmittel wie Gemüse oder Obst erhältlich.

An zahlreichen Tankstellen neigen sich die Benzinreserven dem Ende entgegen. In Neapel konnten 730 Tonnen Müll nicht eingesammelt werden. In Savona musste eine Aufführung von Goethes Faust abgesagt werden, da das Bühnendekor nicht geliefert werden konnte.

2000 Lastwagen warteten in Ventimiglia auf die Weiterfahrt. In den Fiat-Fabrik in Melfi und Mirafiori standen die Fliessbänder mangels Produktionsteilen still. Die Zufahrt zu den Fähren nach Sizilien und Sardinien blieb auch heute erschwert.

Die Camionneure bezeichneten die Protestaktion als Erfolg. 90 Prozent der Transportunternehmen, insgesamt deren 130’000, hätten sich dem Protest angeschlossen.

Ausland

Meistgelesen in der Rubrik Ausland

Neu: Alle Dossiers auf einen Blick

24 Stunden in Bildern

Serie «Die Euro-Krise»

Die Top-Themen im

Die Libyen-Affäre




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten