Keine Werbung im öffentlich-rechtlichem Fernsehen

08. Januar 2008, 15:28

Die werbefreien TV-Sender sollen über Steuern finanziert werden, kündete der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy an.

Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern hätten den speziellen Auftrag, so vielen Menschen wie möglich einen Zugang zur Kultur zu verschaffen, sagte Sarkozy am Dienstag in Paris. «Sie können deswegen nicht nach rein marktwirtschaftlichen Kriterien wie die Privatsender funktionieren.»

Zur Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Kanäle sollten Werbeeinnahmen der Privatsender zusätzlich besteuert sowie eine geringe Steuer auf Internet und Mobilfunk erhoben werden. «Ich möchte, dass man über die vollständige Abschaffung der Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nachdenkt», sagte Sarkozy. Dies wäre eine «Revolution, die der Kulturpolitik völlig neue Möglichkeiten geben würde». Der konservative Politiker betonte, dass die Linke schon seit Jahrzehnten darüber nachdenke: «Wir sind es, die es umsetzen werden.»

Zur Senderfamilie «France Televisions» gehören die Kanäle France 2, France 3, France 4, France 5 und France 0. Neben den Werbeeinnahmen erhalten diese öffentlich-rechtlichen Sender Geld aus einer Rundfunkgebühr. Die Aktien der beiden privaten Hauptkonkurrenten schossen nach der Ankündigung Sarkozys in die Höhe. Der Kurs von TF1 stieg um 13 Prozent, der von M6 um 7,5 Prozent. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkokzy will, dass noch 2008 ein französischer Welt-TV-Sender startet. TV5 Monde, France 24 und Radio France Internationale (RFI) sollen zu «France Monde» zusammengelegt werden. Die Schweiz lehnt die Fusion ab.

Sarkozy will rein französischen TV-Kanal

«Ich bin nicht bereit, mit dem Geld der Steuerzahler einen Sender auszustrahlen, der nicht auf Französisch läuft», sagte Sarkozy am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

France 24 wird derzeit auf Französisch, Englisch und Arabisch gesendet. Es sei gar kein Problem, den französischen Weltdienst in den einzelnen Regionen auf Englisch, Spanisch und Arabisch zu untertiteln, sagte Sarkozy.

Neben El Dschasira, das die arabische Sichtweise vertrete, und CNN als Vertreter der angelsächsischen Welt solle France Monde in der Welt «eine französische Sicht» vermitteln. Der neue Sender solle «so schnell wie möglich» aufgebaut werden, «auf jeden Fall dieses Jahr».

Der Umbau stösst jedoch auf Kritik, vor allem bei den frankophonen Partnern von TV5 Monde: der Schweiz, Belgien, Quebec, Kanada sowie der Internationalen Organisation der Frankophonie. Sie befürchten, dass die Kette ihre Identität verlieren und «die Stimme Frankreichs» werden könnte.

Im November hatte Micheline Calmy-Rey als Bundespräsidentin jegliche Fusion der drei Ketten zurückgewiesen. «Die Schweiz hält an der editorialen Autonomie von TV5 Monde fest», schrieb sie in einem Gastbeitrag in der Zeitung «Le Monde».

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