Ausland

Der Streit nach dem Bahn-Streit

31. Januar 2008, 21:32 – Von Judith Wittwer

Endlich haben die Lokführer und die Deutsche Bahn den Arbeitskampf beigelegt. Nun brodelt es zwischen den Gewerkschaften.

Nur noch die Unterschriften fehlen. Nachdem sich die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL vor fast drei Wochen über die Eckpunkte des Gesamtarbeitsvertrages (GAV) verständigt hatten, verkündeten sie am Mittwochabend erleichtert: «Der Tarifvertrag für die Lokführer steht.» Der über zehn Monate lange Arbeitskampf auf deutschen Schienen ist zu Ende.

In den strittigen Verhandlungspunkten mussten schliesslich beide Seiten Federn lassen:

Lohn: Die GDL setzte sich mit ihrer Maximalforderung von Lohnerhöhungen über 31 Prozent nicht durch. Die Lokführer erhalten im Schnitt aber immerhin 11 Prozent höhere Einkommen: Neben einem einmaligen Zustupf von 800 Euro zahlt ihnen die Bahn ab März insgesamt 8 Prozent mehr Salär und ab September weitere 3 Prozent. Zugleich führt der Konzern ein Lohnsystem ein, das Alter, Einsatz und Qualifikation stärker berücksichtigt. Wie viel mehr Lohn der einzelne Lokführer erhält, hängt folglich von seiner Einstufung ab. Mit Totalkosten von 1,6 Milliarden Euro für das ganze Tarifwerk – also inklusive der Verträge für die anderen Gewerkschaften GBDA und Transnet – gibt die Bahn in den nächsten fünf Jahren deutlich mehr aus als vorgesehen. Das werde die Bahn «sehr viel Kraft kosten», sagte Personalchefin Margret Suckale.

Arbeitszeit: Zugeständnisse muss die Bahn auch bei den Arbeitszeiten machen: Ab Februar 2009 fahren die Lokführer die 40- statt die 41-Stundenwoche.

Vetrag für alle: Als Erfolg verbuchen kann der Konzern dafür den Erhalt eines «konflikt- und widerspruchfreien» Gesamtvertrags mit einem Basisvertrag für alle 135’000 Bahn-Beschäftigten und innerhalb dessen einem separaten Abschluss für die Lokführer: Die GDL vertritt künftig alle rund 20’000 Lokführer des Unternehmens. Sie verhandelt also nicht nur für ihre Klientel, sondern für die ganze Berufsgruppe über Arbeitszeiten und Löhne. Dafür zeichnet sich die Tarifgemeinschaft von Transnet und GDBA für alle übrigen Bähnler verantwortlich. Mit dieser Lösung muss die Bahn nicht fürchten, dass sich GDL und Transnet im Werben um die Gunst der Lokführer künftig mit Lohnforderungen und Streikdrohungen überbieten werden.

Der Vertrag heble die Konkurrenz unter den Gewerkschaften in diesem Punkt aus, sagte der Thüringer Arbeitsrechtler Eduard Picker gegenüber Spiegel Online. Damit bleibt die Tarifeinheit innerhalb des Unternehmens zwar nicht erhalten. Trotz mehrerer Teilverträge muss die Bahn jedoch nur mit einer Gewerkschaft pro Berufsgattung verhandeln.

Der Arbeitskonflikt zwischen Bahn und GDL ist beigelegt _ nun brodelt es aber unter den Gewerkschaften. Die Bahn besteht nämlich darauf, dass die GDL mit den anderen Angestellten-Vertretern eine Vereinbarung über die künftige Kooperation schliesst. Erst dann werde sie den Lokführer-Vertrag unterschreiben, verlautete es aus der Konzernzentrale. Demnach müssen die drei Gewerkschaften etwa noch klären, wie sie sich künftig vor ihren jeweiligen Lohnverhandlungen absprechen wollen. GDL-Schef Manfred Schell hält dies jedoch für überflüssig: «Wir haben im Moment nichts abzustimmen», sagte er. GBDA und Transnet kontern, dass sie ohne ein solches Abkommen den Lokführer-Vertrag nicht absegnen wollen.

Wo sind die Rangierlokführer?

Strittig ist zudem, welche Gewerkschaft fortan für die rund 2800 Rangierlokführer verhandeln wird, die Rangierloks in Bahnhöfen bewegen, Wagen kuppeln und Züge über kurze Strecken fahren. Für Transnet-Chef Norbert Hansen ist der Fall klar: «Die Rangierlokführer sind bei uns und bleiben es auch», sagte er der «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Schell will noch diskutieren. Die Bahn ist zuversichtlich, dass sich die Gewerkschaften noch finden werden. Spitzengespräche sind bereits angesetzt. Noch fehlen aber die Unterschriften.

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