Ausland

Neue Flüchtlingswelle in Süditalien

28. Februar 2008, 22:28 – Von Kordula Doerfler

In den vergangenen Tagen sind vor Sizilien mehr als 1000 Afrikaner gestrandet. Italien wirft Libyen vor, die Küste nicht stark genug zu kontrollieren.

Ungewöhnlich früh, wie die italienischen Behörden besorgt registrierten, hat in diesem Jahr der Flüchtlingszustrom aus Nordafrika eingesetzt. Noch herrscht auch im Mittelmeerraum Winter, doch machen sich bereits wieder Hunderte von Verzweifelten auf die gefährliche Reise ins gelobte Europa. Allein in den vergangenen fünf Tagen wurden mehr als 1000 Menschen teilweise aus winzigen Schlauchbooten gefischt und in ein Auffanglager auf der Sizilien vorgelagerten Insel Lampedusa gebracht, das ohnehin restlos überfüllt ist.

Zuletzt griff die Küstenwache ein Schlauchboot mit 33 Menschen an Bord auf und entdeckte ausserdem ein kaum seetüchtiges Fischerboot, auf dem 221 Menschen dicht zusammengepfercht sassen, darunter auch 27 Frauen, was eher ungewöhnlich ist. Meist sind es junge Männer, die sich aus den Elendsvierteln und Krisengebieten Afrikas aufmachen, um in teilweise jahrelangen Odysseen zu versuchen, nach Europa zu kommen.

Libyen fordert mehr Hilfe von Italien

Auch in der italienischen Hauptstadt sind die zuständigen Behörden alarmiert. Sie vermuten, dass nicht nur das jüngst mildere Wetter für die neue Flüchtlingswelle verantwortlich ist. Beamte des Innenministeriums in Rom äusserten den Verdacht, dass Libyen in den vergangenen Tagen die Kontrollen der Küsten gelockert hat. Das nordafrikanische Land ist seit Jahren das grösste Transitland für Afrikaner aus dem Inneren des Kontinents.

Zwar sitzen dort Tausende von jungen Männern in Auffanglagern, die wegen ihrer sanitären und humanitären Verhältnisse berüchtigt sind. Gut organisierten Schlepperbanden gelingt es aber jedes Jahr, ebenfalls Tausende auf oft seeuntauglichen Booten auf die gefährliche Überfahrt zu schicken.

Seit einiger Zeit arbeiten Italien, die Europäische Union und Libyen enger zusammen bei der Bekämpfung der illegalen Migration. Erst vor knapp zwei Monaten unterzeichneten Italien und Libyen ein entsprechendes Abkommen, das beispielsweise gemeinsame Patrouillen vorsieht. In Rom allerdings wird vermutet, dass Libyen die Kontrollen mit dem Ziel lockert, Italien unter Druck zu setzen und mehr finanzielle und logistische Unterstützung herauszuschlagen. Denn das Regime in Tripolis fordert schon seit geraumer Zeit, dass die Italiener mehr Boote schicken und diese auch näher an der libyschen Küste patrouillieren lassen sollen.

Italien, wegen seiner geografischen Lage ähnlich exponiert wie Spanien, ist seit Jahren erster Anlaufpunkt für Bootsflüchtlinge aus Afrika. Auch die spanischen Behörden vermeldeten in den vergangenen Tagen von den Kanarischen Inseln wieder Hunderte von neuen Flüchtlingen. Trotz schärferer Kontrollen, etwa durch Patrouillen unter der Federführung der EU-Grenzschutzagentur Frontex, strandeten im vergangenen Jahr mehr als 20'000 Menschen an Italiens Küsten. Damit war die Zahl insgesamt gegenüber dem Vorjahr zwar leicht rückläufig, zugleich aber stiegen die Todesfälle deutlich an. Menschenrechtsorganisationen führen das darauf zurück, dass immer kleinere Boote eingesetzt werden, um den Kontrollen zu entgehen.

Ausland

Meistgelesen in der Rubrik Ausland

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz

Senior SAP ABAP Entwickler Elan Computing Schweiz AG , Zürich

Account Executive - Grosskunden Humanis AG, Schweiz

Elektroniker Messtechnik ERGO Consult AG, Nordostschweiz

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Personalberater Bau Haupt- und Nebengewerbe Personal Search AG, Bern

Plattenleger/in Personal Search AG, Basel

Landschaftsgärtner / in 100 % Personal Search AG, Nordwestschweiz

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Frühlingsdeko
homegate Lassen Sie jetzt schon den Frühling ins Haus. Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Lokale Suche

Marktplatz