Ausland

Angeblich Hunderte Tote in Tibet

17. März 2008, 14:05

Laut dem tibetischen Exilparlament wurden bei den jüngsten Protesten im Tibet Hunderte Menschen getötet. Am Wochenende weiteten sich Aktionen auf weitere Provinzen aus.

Trotz Versammlungsverbot protestieren Mönche in der Provinz Qinghai gegen die chinesische Zentralgewalt.
Keystone Trotz Versammlungsverbot protestieren Mönche in der Provinz Qinghai gegen die chinesische Zentralgewalt.

Die Menschen seien in der Hauptstadt Lhasa und anderen Regionen der von China kontrollierten Himalaya-Region getötet worden, erklärte das Exilparlament am Morgen im indischen Dharamshala. Es forderte zugleich die Uno auf, das Blutvergiessen zu untersuchen.

«Die massiven Demonstrationen, die am 10. März in der Hauptstadt Lhasa und anderen Regionen Tibets begannen und den Tod von Hunderten von Tibetern nach sich zogen, müssen die Aufmerksamkeit der Vereinten Nationen bekommen», hiess es in der Erklärung.

China spricht von 13 Toten

Die Regierung in Peking hatte heute Morgen die Zahl der Toten heraufgesetzt, die am Freitag bei dem Aufstand ums Leben kamen. Es seien 13 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden, sagte der Gouverneur von Tibet, Champa Phuntsok. Bisher hatte die chinesische Regierung eine Zahl von zehn Toten genannt.

In der tibetischen Hauptstadt Lhasa endet heute ein Ultimatum der chinesischen Behörden für Teilnehmer an dem Aufstand. Die Justiz droht ihnen mit schweren Strafen, falls sie sich nicht freiwillig stellen.

Festnahmen bei Razzien in Lhasa

Laut dem exiltibetischen Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) in Indien haben chinesische Sicherheitskräfte bei Razzien in der tibetischen Hauptstadt Lhasa Hunderte Tibeter festgenommen. Die Razzien hätten gestern begonnen.

Die Sicherheitskräfte gingen von Haus zu Haus und nähmen alle verdächtigen Tibeter, insbesondere junge Leute fest. Dabei würden die Tibeter auch geschlagen. Es seien bereits alle früheren politischen Häftlinge aufgegriffen und wieder in Haft genommen worden.

Proteste ausgeweitet

Die Proteste hatten am Wochenende von Lhasa auch auf andere Orte sowie auf Klöster in anderen Regionen des alten tibetischen Territoriums in den angrenzenden Provinzen Gansu, Sichuan und Qinghai übergegriffen.

Nach einer Demonstration in Aba (Ngaba) in Sichuan seien acht Tote in das Ngaba Kirti Kloster gebracht worden, berichtete das TCHRD-Zentrum. Bewaffnete Sicherheitskräfte hätten «wahllos in die friedlich protestierenden Tibeter geschossen».

Auch in der Provinz Gansu sei es zu weiteren Protesten gekommen, wie erst heute bekannt wurde. Rund 500 tibetische Studenten an der North Western Nationality University in der Provinzhauptstadt Lanzhou hätten auf dem Universitätsgelände demonstriert und Flugblätter verteilt, berichtete das exiltibetische Zentrum.

Sicherheitskräfte seien gegen die Demonstranten vorgegangen und hielten 300 von ihnen auf dem Gelände fest. Von Zwischenfällen berichtete die Organisation auch aus zwei Orten im Kreis Maqu in Gansu. 1500 Tibeter hätten gestern in der Kreisstadt Maqu für Unabhängigkeit demonstriert und ein Auto in Brand gesetzt.

Ausländer sollen ausreisen

In Nyurla zerstörten 250 Tibeter die Türen von Amtsstuben, holten die chinesische Nationalfahne ein und hissten dafür die tibetische Flagge. Paramilitärische Polizei sei auf Lastwagen in die Gegend gebracht worden, um Proteste zu unterbinden.

Alle Ausländer wurden angewiesen, das tibetische Hochland zu verlassen. Auch dürfen keine Ausländer mehr einreisen. Bis Montagabend mussten zudem alle ausländischen Helfer von Nichtregierungsorganisationen (NGO) das Land verlassen.

Diskussion über Boykott der Olympischen Spiele

In Deutschland sprach der Sportpolitiker der Grünen, Winfried Hermann, von einem möglichen Boykott der Olympischen Spiele in Peking als Konsequenz aus den blutigen Ereignissen. Sollte es zu einem Bürgerkrieg kommen, müsse über eine Absage der Olympischen Spiele nachgedacht werden, sagte Hermann der «Berliner Zeitung».

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Andreas Schockenhoff, sprach sich jedoch gegen einen solchen Schritt aus. «Von einem solchen Boykott haben die Menschen in Tibet keinerlei Nutzen», sagte Schockenhoff derselben Zeitung.

Anlass der tibetischen Proteste ist der 49. Jahrestag eines Aufstandes in Lhasa gegen die chinesischen Besatzer. Tibet wird seit dem Einmarsch der chinesischen Armee 1950 von Peking regiert. Nach dem fehlgeschlagenen Aufstand flüchtete der Dalai Lama nach Indien. China lehnt eine Autonomie der Himalaya-Region strikt ab.

Ausland

Meistgelesen in der Rubrik Ausland

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz

Promovierte/n Pflegewissenschafter/in PhD (80-100%) Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Winterthur

Leiter/in Einkauf (non-IT) Allianz Suisse, Zürich

Geschäftsführer/-in Coop, Thun

Lokale Suche

Marktplatz

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Automatiker Collardi, Bern

Baufachmann/-fachfrau Kollas - Axxeva Services AG, Dietikon

Dachdecker gelernt Bellini Personal AG, Brugg AG