Ausland

Milder Wilders-Film im Internet

27. März 2008, 22:19 – Von Elsbeth Gugger

Der rechtspopulistische Niederländer Geert Wilders hat seinen seit langem angekündigten Film im Internet veröffentlicht.

Wochenlang hatte die niederländische Regierung mit dem Schlimmsten gerechnet. Polizei, Gemeindebehörden und Imame wurden instruiert, wie sie im Anschluss an die Ausstrahlung des korankritischen Films von Geert Wilders mit der möglichen Wut von Muslimen umgehen müssten. Und die Botschaften in islamischen Ländern hatten Pläne zur Evakuation von Niederländern erstellt. Es könnte sein, dass diese ganze Vorarbeit vergeblich war.

Altbekannte Sequenzen

Am Abend stellte der rechtsaussen Parlamentarier Wilders seinen Film mit dem Namen «Fitna» – was je nach Übersetzung Versuchung oder Chaos bedeutet – auf die Website seiner Partei für die Freiheit (PVV). Das 16-Minuten-Dokument beginnt mit einer dänischen Mohammed-Karikatur und mehrere zitierten Koranversen. Dann tauchen Filmsequenzen von verschiedenen Terroranschlägen auf. Es sind bekannte Szenen wie jene der Flugzeuge, die in die Twin Towers in New York rasen oder die Explosion der U-Bahn Station Atocha in Madrid. Zu sehen ist ausserdem die Hinrichtung einer Frau sowie Kinder mit blutigen Gesichtern und ein eingeblendeter Text mit der Frage, ob dies «die Zukunft der Niederlande» sei.

Danach fährt eine Kamera durch Wilders Heimatland, es tauchen Moscheen auf, und muslimisch gekleidete Menschen. Immer wieder hat Wilders dazwischen Warnungen eingebaut: «Stoppt die Islamisierung.» Oder: «Verteidigt die Freiheit.» Am Ende des Films zeigt der Macher nochmals eine Mohammed-Karikatur. Und zwar so, dass der Eindruck entsteht, der Kopf des Propheten explodiere. Dieser Schein trüge, sagte Wilders vor Journalisten. Wer genau hinschaue, sehe, dass es sich bei der vermeintlichen Explosion um ein Gewitter, um Donner und Blitze handle – um genau, das was den Westen erwarte, wenn der Islam Überhand nehme. Alles in allem sei es ein «softer» Film, urteilten mehrere Experten. Die Befürchtung, Wilders könnte vor laufender Kamera einen Koran verbrennen, haben sich nicht bewahrheitet.

Der superstoffblonde Politiker verkündete seit Monaten, er werde in seinem Film zeigen, dass der Koran genau so «faschistoid» sei wie Hitlers «Mein Kampf» und deshalb verboten werden müsse. Diesen harten Vergleich kann er in seinem Kurzfilm nicht wahr machen. Die erste Reaktion von zwei grossen niederländischen Muslimorganisationen war denn auch äusserst gemässigt. Der Film sei lange nicht so schockierend wie angekündigt. Vielmehr handle es sich um eine «Karikatur des Islam», liessen sie verlauten. Maurits Berger, der Professor für Islamwissenschaften an der Universität von Leiden sagte im niederländischen Fernsehen, es wäre «sehr übertrieben», wenn sich die muslimische Welt über den Streifen aufregen würde, denn von Gotteslästerung könne nicht die Rede sein.

Wilders stellt sich Diskussion

Trotzdem müssen die Reaktionen aus dem Ausland abgewartet werden. Den Haag hat aus vielen arabischen Ländern Drohungen bekommen. Der Aussenminister erzählte, vielerorts würden Listen mit niederländischen Produkten erstellt, welche boykottiert werden sollten. In Afghanistan gab es mehrere Demonstrationen, die mit der Verbrennung der niederländischen Flagge endeten.

Die Medienleute hatten sich über Wilders geärgert, weil er sich nur per SMS vernehmen liess. Muslimische Organisationen empörten sich, dass das Enfant terrible sich der Debatte nicht stellte. Offenbar hat Wilders sich diese Vorwürfe zu Herzen genommen. Im Anschluss an die Veröffentlichung von «Fitna» versprach er, dass er in den kommenden Tagen viele Diskussionen zum Film, respektive zur «Islamisierung der Niederlande» führen werde.

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