Ausland

Zeitung bezahlt teuer für Putins «Hochzeit»

20. April 2008, 16:08 – Von David Nauer

Das Boulevard-Blatt «Moskowski Korrespondent» ist eingestellt worden. Es hatte das (wohl falsche) Gerücht verbreitet, Wladimir Putin heirate demnächst eine 24-jährige Sportlerin.

Wladimir Putin zusammen mit der Turnerin Alina Kabayeva im Kreml (2004).
Keystone Wladimir Putin zusammen mit der Turnerin Alina Kabayeva im Kreml (2004).

Die letzte Ausgabe des «Moskowski Korrespondent» erschien am Freitag, Chefredaktor Grigori Nechoroschew ist bereits zurückgetreten. Auch die Website wurde abgeschaltet. Der Verlag sprach von einem «vorläufigen» Aus für die Zeitung. Als Begründung wurden «hohen Kosten» sowie «Meinungsverschiedenheiten über die Konzeption» genannt. Ein politischer Hintergrund bestehe nicht.

Beobachter vermuten dagegen, dass das Boulevardblatt über einen seiner brisantesten Artikel gestolpert ist. Der «Moskowski Korrespondent» berichtete vor gut einer Woche, Präsident Wladimir Putin habe sich von seiner Frau Ludmilla scheiden lassen. Bereits im Juni wolle er die 31 Jahre jüngere Sportgymnastin Alina Kabajewa heiraten. Der Autor des Artikels stützte sich auf anonyme Quellen aus dem St. Petersburger Establishment. Angeblich sollen Hochzeitsagenturen bereits beauftragt worden sein, Vorschläge für die Organisation des Festes einzureichen.

Sportlerin mit Politkarriere

Am Wahrheitsgehalt des Artikels bestanden von allem Anfang an erhebliche Zweifel. Die meisten russischen Medien – auch oppositionelle – ignorierten die Nachricht. Recherchen von ausländischen Journalisten gaben keine weiteren Anhaltspunkte. Kabajewa liess ausrichten, sie verklage den «Moskowski Korrespondent», falls er kein Dementi drucke. Die ursprünglich aus Usbekistan stammende Sportgymnastin gewann bei den olympischen Spielen 2004 eine Goldmedaille. Jüngst setzte sie zu einer atemberaubenden politischen Karriere an. Sie vertritt die Kremlpartei «Einiges Russland» in der Duma.

Auch Putin hat das Gerücht von einer möglichen Liaison mit der schönen Sportlerin dementiert. Kein Wort daran sei wahr, sagte er Ende vergangener Woche bei einer Pressekonferenz in Italien. Der Kreml-Chef gestand allerdings ein, dass ihm Kabajewa und andere «in der russischen Boulevardpresse erwähnte junge Mädchen und Frauen» gefallen würden. «So wie alle russischen Frauen.»

Politischer Hintergrund?

Doch das Gerede von Putins angeblichem Liebesleben ebbte auch nach den Dementis nicht ab. Einige Beobachter stellen die jüngsten Gerüchte in eine Reihe mit anderem «kompromittierendem Material» über den scheidenden Präsidenten. So behauptet etwa der schillernde Politologe Stanislaw Belkowski, Putin habe ein Vermögen von 40 Milliarden Dollar angehäuft. Es wird vermutet, dass solche wenig schmeichelhaften Informationen gestreut werden, um Putins Position im Machtkampf zwischen verschiedenen Kreml-Klans zu schwächen.

Welche Rolle dabei der «Moskowski Korrespondent» spielte, bleibt unklar. Die Boulevardzeitung war vor bloss einem halben Jahr vom Oligarchen Alexander Lebedew gegründet worden. Der ehemalige KGB-Agent ist einer der wenigen grossen Geschäftsleute in Russland, der sich eine eigene politische Meinung leistet. Unter anderem finanziert er die seriöse Oppositionszeitung «Nowaja Gaseta». Lebedew ist auch in der Schweiz kein Unbekannter: Er hat im vergangenen Jahr das Luzerner Hotel Château Gütsch gekauft.

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