Ausland

Chile verbietet den Walfang

24. Juni 2008, 12:04

In Chile dürfen künftig keine Wale mehr gejagt werden. Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet hat die Hohheitsgewässer des Landes zum Schutzgebiet erklärt.

Michelle Bachelet hat in Santiago de Chile ein Dekret und einen Gesetzesentwurf für ein dauerhaftes Walfangverbot unterschrieben. Das Verbot betrifft ein 5,3 Millionen Quadratkilometer umfassendes Gebiet – die ganze über 5000 Kilometer lange chilenische Küste.

«Kein Wal darf mehr in unseren Hoheitsgewässern gejagt werden», sagte die Staatschefin in der ehemaligen Walfangstation Quintay an der Pazifikküste, die in ein Museum umgewandelt wurde. Chile jagt bereits seit 1970 keine Wale mehr. Doch mit der Unterzeichnung wolle sie ein deutliches Zeichen setzen, sagte Bachelet. Der Kongress muss ihren Plänen noch zustimmen. Möglicherweise ist auch noch die Genehmigung von Kolumbien, Peru und Ecuador nötig.

Verhandlungen über Schutzzone im Atlantik

Das chilenische Walfangverbot kam anlässlich der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) zustande, die derzeit in Santiago de Chile stattfindet. Die Mitgliedstaaten sollen über ein Schutzgebiet für Wale und Delfine im südlichen Atlantik beraten. Die so genannte Buenos-Aires-Gruppe, der zahlreiche lateinamerikanische Länder angehören, hat ein Schutzgebiet gefordert, in der Walfang dauerhaft verboten, das Beobachten von Walen durch Touristen jedoch gefördert werden soll. Für die Annahme des Vorschlags sind 75 Prozent der Stimmen der 80 IWC-Mitgliedsländer nötig. Ein vorangegangener Versuch scheiterte bereits.

Japan wehrt sich gegen Vorwürfe

Der chilenische Aussenminister Alejandro Foxley hatte die IWC-Tagung mit einem Appell zur Einigkeit eröffnet. Doch die Hoffnung auf mögliche Kompromisse zwischen Anhängern und Gegnern des Walfangs schien von Anfang an zu platzen. Die Mitgliedstaaten gerieten sich bereits am ersten Tag über Zahlen in die Haare. Grossbritannien veröffentlichte Zahlen, wonach es sich bei 42 der von Japan getöteten Meeressäuger um schwangere Tiere handelte, einige sollen ausserdem noch ihre Jungen gesäugt haben. Die japanische Delegation wies diese Angaben zurück.

Seit 1986 gilt weltweit ein Moratorium für den kommerziellen Walfang. Einige Länder wie Japan erlegen dennoch jedes Jahr Hunderte Wale unter Verweis auf Forschungszwecke. Tokio macht geltend, dass die Walpopulation inzwischen eine Grösse erreicht hat, die eine Jagd rechtfertigt.

Klimawandel und Verschmutzung

Die fünftägige Konferenz in Santiago berät auch über andere Bedrohungen für die Tiere. So soll es ausserdem um die Verschmutzung der Meere, die Fischerei, militärische Ortungsgeräte und den Klimawandel gehen. Das wissenschaftliche Komitee der IWC erklärte, es sei zwar nicht leicht zu sagen, wie viele Wale es genau gebe, klar sei aber auch, dass sich die Populationen grösstenteils in einem schutzwürdigen Zustand befänden.

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