Forscher warnt vor schwerer Wasserkrise

24. Juni 2008, 15:45

Nach Einschätzung eines führenden Wissenschaftlers steht der Welt eine weit schlimmerer Mangel an Trinkwasser bevor, als selbst die meisten Experten befürchten.

Nur massive Investitionen könnten eine weltweite Nahrungsmittelknappheit verhindern, warnte heute der kanadische Professor Andrew Benedek zum Auftakt der Internationalen Wasserkonferenz in Singapur. Bauern könnten in Zukunft nicht genügend Nahrungsmittel produzieren, wenn die Wasserversorgung nicht dringend verbessert werde.

Auch Singapurs Regierungschef Lee Hsien Loong warnte vor dem Konfliktpotenzial bei immer knapper werdenden Ressourcen. Die Welt sei mit der grössten Völkerwanderung vom Land in die Stadt in der Menschheitsgeschichte konfrontiert, sagte der Leiter der Forschungsstiftung Singapurs, Tony Tan. Die Versorgung der Menschen mit Wasser und Toiletten stelle Regierungen vor enorme Herausforderungen.

Problem für Asiens Millionen-Städte

In Singapur beraten diese Woche rund 5000 Wasserexperten und Minister aus 60 Ländern über Probleme rund um die Wasserversorgung. Die Thematik betrifft in besonderem Masse die rasant wachsenden Mega-Städte Asiens. Nach Angaben des Konferenzpräsidenten Tommy Koh dürfte schon Ende des Jahres mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten leben. Bei mangelnder Planung der Trinkwasserversorgung drohe ein «Alptraum-Szenario».

Mehrere Konferenzteilnehmer erinnerten denn auch daran, dass die Grundversorgung nur bei guter Regierungsführung möglich sei. Daher müssten Politiker verstärkt zur Verantwortung gezogen werden, sagte der Weltbankvizepräsident für Ostasien, James Adams. Forscher setzen zudem auf Sparkampagnen und neuartige Technologien, um Rohre abzudichten und so den Verlust von Wasser zu verringern. Einige Länder, so die Vereinten Arabischen Emirate, wollen ihren Wasserbedarf zudem verstärkt durch die Aufbereitung von Abwasser sicherstellen.

Eine Milliarde Menschen ohne Trinkwasser

Rund 1,1 Milliarden Menschen weltweit haben nach Angaben von Wasserforscher Benedek keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 2,6 Milliarden Menschen haben keine Toiletten. 1,8 Millionen Kinder sterben jedes Jahr an Durchfall, der durch unsauberes Trinkwasser verursacht ist. Zudem sinke der Grundwasserspiegel in Regionen wie Pakistan, Indien, China und den USA um teilweise mehr als einen Meter im Jahr. Der Klimawandel reduziere zudem die Wasserspeicherfähigkeit vieler Böden, sagte Benedek.

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