Kolumbien will Gontard den Prozess machen
15. Juli 2008, 18:11Der Schweizer Jean-Pierre Gontard, der in Kolumbien in Konflikten mit der Farc vermittelt hatte, sieht sich in dem südamerikanischen Land womöglich bald im Zentrum einer Strafuntersuchung.
Gontard solle zu seinen Kontakten zur Farc-Guerilla vernommen werden, kündigte der kolumbianische Generalstaatsanwalt, Mario Iguarán, an. Es gebe Hinweise dafür, dass er eine Verschwörung angeführt oder sich an einer Verschwörung beteiligt habe. Wenn nötig werde man auf internationale Rechtsmittel zurückgreifen, damit Gontard der kolumbianischen Justiz Red und Antwort stehe, fügte der Staatsanwalt an.
Belastende Aussagen des Verteidigungsministers
Sein Entscheid stütze sich auf Aussagen von Verteidigungsministers Juan Manuel Santos. Dieser hatte verlauten lassen, E-Mails, die auf dem Computer des in Ecuador getöteten Farc-Kommandanten Raúl Reyes gefunden wurden, deuteten darauf hin, dass Gontard der marxistischen Guerilla 2001 knapp 500000 Dollar Lösegeld in Costa Rica übergeben habe. Gontard hätte damit seine Funktion als «Mediator» überschritten.
Die Vorwürfe gegen Gontard wurden kurz nach der militärischen Befreiung von Ingrid Betancourt Anfang Juli laut. Sie beziehen sich auf eine frühere Geiselfreilassung von zwei Mitarbeitern des Pharmakonzerns Novartis.
Mitte Juli erklärte Kolumbien, man verzichte auf die Mediation Frankreichs, Spaniens und der Schweiz. Seine Regierung habe das Vertrauen in die europäischen Vermittler verloren, sagte der Friedensbeauftragte der kolumbianischen Regierung, Luis Carlos Restrepo. Bogotá verlangte zudem von der Schweiz eine Erklärung zu den Dokumenten auf Reyes' Computer.
EDA stellt sich hinter Gontard
Das Schweizer Aussenministerium hat Gontard wiederholt das Vertrauen ausgesprochen und beteuerte stets, der Genfer Professor habe nicht als Geldbote fungiert. Kurz nachdem die Vorwürfe in Kolumbien laut wurden, reiste Gontard zurück in die Schweiz. Er hat sich seither nicht zu den Vorwürfen geäussert.
«Uns liegen keinerlei Hinweise vor, dass er seine Aufgabe als Mediator verraten hat», sagte der stellvertretende Staatssekretär im Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Anton Thalmann, gegenüber der «NZZ am Sonntag».
Beziehungen zu Bogotá strapaziert
Thalmann zeigte sich gleichzeitig überzeugt, dass die Affäre den Beziehungen beider Länder nicht schaden werde. «Das bilaterale Verhältnis unserer beiden Staaten wird das unbeschadet überstehen», sagte Thalmann.
Aussenministerin Calmy-Rey will Mitte August nach Bogotá reisen und dort das Bestehen eines Freundschaftsvertrags zwischen der Schweiz und Kolumbien feiern. Ob Calmy-Rey unter diesen Vorzeichen am Besuch festhält, bleibt unklar. Beim EDA wollte zunächst niemand zu der Strafuntersuchung Stellung nehmen.
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