Bosnien könnte schon bald zerfallen

27. Juli 2008, 12:22

Nach der Festnahme des mutmasslichen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic sieht der frühere Uno-Bosnien-Beauftragte Ashdown das Land am Rande einer Aufspaltung. Eine solche sei näher als während des Kriegs von 1992 bis 1995.

«Die Teilung Bosniens, die Karadzics Traum war, ist jetzt wahrscheinlicher als in der Zeit, in der er auf der Flucht war», sagt Paddy Ashdown in der britischen Zeitung «The Observer».

Die Serbische Republik, die mit der bosnisch-kroatischen Föderation den Staat bildet, habe eigene Institutionen eingerichtet und arbeite auf eine Abspaltung hin. Der Regierungschef des ohnehin weitgehend autonomen Teilstaats, Milorad Dodik, gehe agressiv gegen ein «Jahrzehnt der Reformen» vor.

Ashdown fordert die EU auf, Bosniens Ambitionen auf eine Mitgliedschaft in der Staatengemeinschaft als Hebel zu benutzen, um auf mehr Reformen zu dringen und so einer Zentralregierung den Rücken zu stärken.

Held für viele bosnische Serben

Karadzic war Anführer der bosnischen Serben während des Bosnienkriegs. Vor gut einer Woche wurde er nach elf Jahren auf der Flucht festgenommen. Ihm werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Vielen bosnischen Serben gilt er dennoch als Held.

Ashdown war von 2002 bis 2006 im Auftrag der Vereinten Nationen der Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina.

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