Ausland

Smog gefährdet Olympia-Teilnehmer

28. Juli 2008, 21:56 – Von Henrik Bork

Weil die Luft in Peking schlecht ist, trainieren viele Athleten ausserhalb Chinas. Die Regierung wird wohl bald neue Fahrverbote erlassen.

Die verschmutzte Luft trübt den Blick auf Chinas Nationalstadion in Peking.
Keystone Die verschmutzte Luft trübt den Blick auf Chinas Nationalstadion in Peking.

Die dichte Smogwolke über Peking hat China gezwungen, einen «Notfallplan» für die Olympischen Spiele auszuarbeiten. Bis zu 90 Prozent aller Privatautos könnten von der Strasse verbannt werden, falls sich die Luft während der Sportwettbewerbe verschlechtere, berichtete die regierungsnahe Zeitung «China Daily» am Montag unter Berufung auf die Umweltschutzbehörde der Stadt. Zuvor war in Peking vier Tage lang kein einziges Mal der blaue Himmel zu sehen gewesen. Die Sichtweite betrug am Montag wenige hundert Meter.

Sehr wahrscheinlich werde die Stadtverwaltung in Kürze neue Fahrverbote und Fabrikschliessungen veröffentlichen, schrieb die Zeitung. «Wir werden 48 Stunden im Voraus einen Notfallplan implementieren, falls die Luftqualität während der Spiele vom 8. bis zum 24. August sinkt», wird der Ingenieur Li Xin zitiert, der diesen Plan für die Pekinger Umweltschutzbehörde ausgearbeitet hat.

Schon seit dem 20. Juni hat die Stadt Peking drastische Fahrverbote erlassen, die viele Unternehmen massiv behindern. Von den 3,3 Millionen Autos in Peking dürfen an ungeraden Tagen des Kalenders nur diejenigen mit ungeraden Endziffern auf ihren Nummernschildern fahren, an geraden Tagen nur diejenigen mit geraden Endziffern. Die Auslieferung von Gütern ist seither ein Problem. Selbst Filmcrews haben die Arbeit eingestellt, weil sie ohne Transport nicht funktionstüchtig sind. Manche Bewohner haben begonnen, entnervt die Stadt zu verlassen.

Und trotzdem ist die Luft weiterhin sehr schlecht. Nach Einschätzung von Greenpeace gibt sie «Anlass zur Sorge» für die Athleten, die an den Olympischen Spielen teilnehmen. Besonders der Feinstaubgehalt der Luft sei nicht gesunken. Der Partikelgehalt sei doppelt so hoch wie jener, der international für unbedenklich gehalten werde, sagte der Greenpeace-Sprecher Lo Sze-Ping in Peking. «Jeder hat Grund, beunruhigt zu sein, besonders die Sportler», sagte er. Ein Athlet atme während des Wettkampfes bis zu zehnmal mehr Luft ein als gewöhnlich. Greenpeace kritisierte auch, dass Chinas Behörden keine Werte über die Ozonbelastung veröffentlichten.

500 Atemschutzmasken für Japaner

Viele Sportler trainieren derzeit in Japan, Südkorea und anderen Ländern, um erst im letzten Moment nach Peking reisen zu müssen. Die japanische Olympiadelegation hat angekündigt, 500 Atemschutzmasken mit nach Peking zu nehmen. Ein Sprecher erklärte, es handle sich dabei nicht um gewöhnliche Masken, wie sie jeder Supermarkt anbietet. Es seien Exemplare, die normalerweise «in staubigen Fabriken und an anderen Industriestandorten» zum Einsatz kommen.

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