Ausland

Schweizer Dampflok versank in rumänischen Fluten

28. Juli 2008, 19:55 – Von Bernhard Odehnal

Das verheerende Hochwasser im Norden Rumäniens zerstörte auch eine mit Schweizer Hilfe betriebene Touristenattraktion: die Wassertalbahn.

Die Dampflok blieb in einem Strom aus Geröll und Wasser stecken.
Michael Schneeberger. Die Dampflok blieb in einem Strom aus Geröll und Wasser stecken.

Hochwasser ist im romantischen Wassertal, im Nordwesten Rumäniens, keine Seltenheit. Aber niemand kann sich erinnern, dass das Wasser je so stark und vor allem so schnell gestiegen wäre wie vergangenen Samstag. Nach einem mehrstündigen Unwetter über den Waldkarpaten rissen die Flutwellen alles mit, was in ihrem Weg stand: Häuser und Hängebrücken, Strassen und Schienen.

Passagiere flüchteten in Hütten

Auch dem von einem Schweizer Eisenbahnverein organisierten Touristenzug auf der letzten Waldbahn Rumäniens wurden die Wassermassen zum Verhängnis: Auf der Rückfahrt aus dem Tal blieb die kleine Dampflok in einer Mure – einem Strom aus Geröll und Wasser – stecken. Von den rund 200 Passagieren aus Rumänien, der Schweiz, Deutschland und der Slowakei konnten einige nach einem mehrstündigen Fussmarsch den Hauptort des Wassertals, Viseu de Sus, erreichen. Andere flüchteten in nahe gelegene Holzfällerhütten. Erst am nächsten Tag konnte sich von Viseu aus ein Hilfstrupp zu ihnen durchschlagen und sie mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgen.

Am Montag – nach zwei Nächten in den Bergen – konnten die letzten Touristen schliesslich mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden. Alle seien nach ihrer Rückkehr sofort ärztlich betreut worden und es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut, sagt der Berner Michael Schneeberger, der in Viseu lebt und den Verein «Hilfe für die Wassertalbahn» leitet. Das Trassee der schmalspurigen Waldbahn sei allerdings weitgehend zerstört. Viele Brücken stürzten ein; Bahndämme wurden weggespült; an vielen Stellen hängen die Gleise in der Luft.

Von den Unwettern mit sintflutartigen Regenfällen waren in den vergangenen Tagen die gesamte Westukraine und die angrenzenden rumänischen Provinzen Maramures, Suceava und Iasi betroffen. In der Ukraine trat der Fluss Dnjestr über die Ufer und zerstörte über 200 Dörfer. Mindestens 22 Menschen starben; viele werden noch vermisst. Staatspräsident Viktor Juschtschenko sprach von «einer Tragödie von nie da gewesenem Ausmass».

In Rumänien traten der Fluss Siret und die nach Ungarn fliessende Theiss und ihre Zuflüsse über die Ufer. Nach Angaben der Regierung mussten 12’000 Menschen evakuiert werden, knapp 3000 Häuser wurden zerstört. Im Wassertal (Valea Vaser) starb eine dreiköpfige rumänische Familie, als ihr Holzhaus von einer Mure weggespült wurde. Ein 14-Jähriger ertrank, als er die reissende Vaser überqueren wollte. In den Seitentälern sind weiterhin Hunderte Bauernfamilien von der Aussenwelt abgeschnitten, weil sämtliche Brücken zerstört wurden. In das obere Wassertal führt keine Strasse; die Siedlungen waren ausschliesslich mit der Waldbahn erreichbar. Auch diese Verbindung ist nun für unbestimmte Zeit unterbrochen.

Die Zerstörung der Bahnstrecke bedeutet auch enormen wirtschaftlichen Schaden für eine der ärmsten Regionen Rumäniens. Durch die unermüdliche Arbeit des Schweizer Vereins und seiner rumänischen Partner hatte sich Rumäniens letzte reguläre Waldbahn in den vergangenen Jahren zu einem über Europa hinaus bekannten Touristenmagneten entwickelt. Während der Holztransport stetig zurückgeht, transportieren in den Sommermonaten die Touristenzüge täglich Hunderte Menschen in das Tal und wieder zurück. Um die Nachfrage zu bewältigen, liess der Verein in den vergangenen Monaten eine Dampflok restaurieren und kaufte alte Waggons von der Wengernalpbahn im Berner Oberland. Ausserdem wurde in Viseu ein Museum errichtet, das an die von den Nationalsozialisten zerstörte jüdische Kultur des Tals erinnert.

Dass die Bahn trotz der enormen Zerstörungen wieder errichtet werden muss, steht für Vereinspräsident Schneeberger fest. Wie viel Zeit und Geld dafür notwendig sind, wagt er nicht abzuschätzen: «Wir kennen noch nicht einmal das Ausmass der Schäden. Aber was wir sehen, sieht furchtbar aus.»

www.wassertalbahn.ch

Ausland

Meistgelesen in der Rubrik Ausland

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Anwaltsassistent/in planova human capital ag, Zug

Dipl. Pflegefachmann/-frau HF Stationsleitung planova human capital ag, Aadorf

Softwareentwickler/in Java/Eclipse planova human capital ag, Luzern

Lokale Suche

Marktplatz

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Frühlingsdeko
homegate Lassen Sie jetzt schon den Frühling ins Haus. Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz

Account Executive - Grosskunden Humanis AG, Schweiz

Elektroniker Messtechnik ERGO Consult AG, Nordostschweiz

Senior SAP ABAP Entwickler Elan Computing Schweiz AG , Zürich