FRANKFURTER BUCHMESSE
Von Kant zu Mickey Mouse
09. Oktober 2007, 07:58 Von Alexandra KedvesEr sieht aus wie ein Kind von Charlie Brown und Jimmy Corrigan, ein altes Kind, mit einem runden Kopf voller Falten und Kulturgeschichtsruinen.
Bardín, der Superrealist, kam 1999 auf die Welt, hinein in farbige Comicpanels und ins Rampenlicht der internationalen Szene. Mittlerweile wurden die Geschichten um den kleinen Mann mit den grossen Fragen mehrfach übersetzt und ausgezeichnet; der jüngste Band erhielt am Comicfestival in Barcelona nicht weniger als drei Auszeichnungen. Zum Katalonien-Schwerpunkt der Buchmesse erscheint er nun auf Deutsch.
Sein Schöpfer, der 51-jährige Francesc Capdevila alias Max – nach Max Ernst –, betrachtet ihn als eine Hommage an die «Escuela Bruguera»: jene humoristische Comicschule, für die Mitte des 20. Jahrhunderts der Verlag Bruguera stand. Zugänglich, aber zackig; mit klaren Linien, aber nicht konservativ.
Anfangs hatte der Anarcho-Erbe und Antifrankist Max gegen die «ligne claire» einen widerspenstigen «linea chunga»-Stil entwickelt, der vom Schaffen des Underground-Stars Robert Crumb inspiriert war. In den Achtzigern entdeckte er dann, durch den Hergé-Nachfolger Yves Chaland, die «ligne claire» neu für sich und feilte daran, wenn er Peter Pan in Punk-montur packte und die Elfen dazu in Reizwäsche («Peter Pank»). Bis er in den Neunzigern nicht mehr weiterwusste.
Inzwischen ist der Wahl-Mallorquiner Max, eine graue Eminenz nicht bloss der spanischen Comicszene, zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Sein Bardín, der in einer Dalí-Landschaft auf einen «andalusischen Hund» mit Anzug, Krawatte und Schweinsgesicht trifft, seziert sich selbst und alle anderen Götter auch – mit und ohne Sprache. Er zitiert mal «Triumph des Todes» von Brueghel d. Ä. und mal «Nachtmahr» von Füssli, mal Erkenntnistheoretisches von Kant und mal Spöttisches von Mickey Mouse. Eine popstarke Kulturgeschichte.
Max: Bardín, der Superrealist. Aus dem Katalanischen von Isa Marin Arrizabalaga. Reprodukt, Berlin 2007. 80 S., 32.40 Fr.


























