Schweiz

Buchpreis: «Ein Gesetz muss her!»

04. Mai 2008, 17:02 – Von Franziska Schläpfer

Internationale Fachleute diskutierten in Solothurn unter dem Motto «Vielfalt statt Einfalt» das Für und Wider der Buchpreisbindung.

Feurige Zigeunermusik gibt an diesem 2. Mai den Ton an: Ein neuer Geist weht im Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverband SBVV, jugendlich, keck, frisch. Keine Spur von Ermattung nach jahrelang vergeblichem Kampf. Zwölf Monate nachdem der Bundesrat die Buchpreisbindung aufgehoben hat, animierten SBVV-Präsidentin Marianne Sax und Geschäftsführer Dani Landolf zum Blick «über den Tellerrand», initiierten eine differenzierte Auslegeordnung und lancierten eine «Charta für die Buchvielfalt» – Auftakt zur entscheidenden Kampagne für fixe und faire Preise.

Schade, dass ausser Hans Kaufmann (SVP) keine «Ordnungspolitiker» dabei waren; der eine und andere hätte vielleicht seine Meinung geändert angesichts der Fakten, die der britische Ökonom und Buchpreisspezialist Francis Fishwick nach zwölf Jahren ohne Preisbindung ausbreitete: Die Veränderungen sind dramatischer als prognostiziert. Die Zahl der Buchkäufer erweiterte sich kaum; die Bücher wurden teurer, der Anteil der Bestseller grösser, 60 Prozent der Bibliotheken gaben auf. Gewonnen haben Internet, Supermärkte, auch Verleger.

Bücher aus dem Supermarkt

Ein charismatischer Jack Lang, langjähriger französischer Kulturminister, schilderte Geburtswehen und Gedeihen der «Loi Lang» (seit 1981 in Kraft) und ermutigte zum «guten, doch schwierigen Kampf» um ein «freiheitliches Gesetz». 140 Jahre alt ist die Preisbindung in Deutschland. Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels rühmte den «allgemeinen Konsens» (auch der Politiker); gefährdet sei die Preisbindung eher von der Branche selber.

Die Buchhändlerin Sylviane Friederich, Präsidentin des Westschweizer Verbandes, schilderte die Misere in der Romandie, wo die Buchpolitik in französischen Händen liegt, die Importeure Preise nach Belieben festlegen. Ihr irischer Kollege John McNamee, Präsident der European Booksellers Federation, ist seit dem Fall der Preisbindung aggressiver und kreativer am Werk, um die Illusion zu überlisten, ein Discounter wie die Lebensmittelkette Tesco sei immer billiger.

Peter Stamm schilderte in geistreicher Klage die Situation der Schriftsteller in der Schweiz, die Philosophin Annemarie Pieper vertrat zitatenreich die These «Bildung durch Lesen macht frei». Die deutsche Verlegerin Elisabeth Ruge (Berlin-Verlag) forderte «Schärfung des Profils»; wichtiger als Vielfalt sei der Widerstand gegen die Beliebigkeit der Programme. Im Übrigen agiere die Branche auch mit Preisbindung heute anders als vor 15 Jahren. Nationalrat Dominique de Buman (CVP) plädierte eindringlich für ein Gesetz als Garant für die «Vielfalt der Ideen».

Die Gegenseite kam auch zu Wort. Jean-Frédéric Jauslin, Direktor des Bundesamtes für Kultur, ist überzeugt, dass die Preisbindung kaum hilft, listete die staatlichen Massnahmen auf (Leseförderung, Unterstützung des Schweizer Buchs, der Bibliotheken) und will die drohende Erhöhung der Mehrwertsteuer für die Buchbranche bekämpfen. Nationalrat Hans Kaufmann wandte sich gegen eine «Staatskultur» und warnte vor den bürokratischen Folgen eines Gesetzes.

«Ein Gesetz muss her!» Die Solothurner Runde war sich einig – ob gross oder klein, Verleger, Buchhändler, Auslieferer. Ein Gesetz zu Gunsten der Konsumenten, zu Gunsten von Qualität und Kontinuität. Kein Bücher-Ballenberg, aber vernünftige Spielregeln. Im kommenden August wird die zuständige Kommission den Entwurf zu einem Buchpreisbindungsgesetz behandeln, Ende 2009 könnte es unter Dach sein.

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