Schweiz

Das Zürcher Playoff-Duell: Kloten Flyers oder ZSC Lions?

28. Februar 2008, 15:31 – Von Benjamin Muschg und Simon Graf

Das Playoff beginnt heute unter anderem mit dem Zürcher Viertelfinal Kloten Flyers gegen ZSC Lions.

Die beiden Kantonsrivalen duellierten sich letztmals 2001 im Playoff, damals siegten die Stadtzürcher auf dem Weg zu ihrem zweiten Titel 4:1. Diesmal liegt das Heimrecht bei den Flyers, die sich auf Rang 3 klassierten - so gut wie nie mehr seit dem letzten Titel 1996. Der TA führt die Argumente auf, die für ein Weiterkommen von Kloten oder des ZSC sprechen.

KLOTEN GEWINNT

Gute Argumente sprechen vor dem Zürcher Viertelfinal für die Klotener. Zum Beispiel, dass sie in der Qualifikation den dritten Rang belegten und gegen die sechstklassierten ZSC Lions im ersten und einem allfälligen siebten Spiel den Heimvorteil haben. Oder dass sie diese Saison vier von sechs und die letzten drei Derbys gewannen. Oder dass sie zuletzt dreimal in Folge und zum Abschluss gar in Bern siegten, während die Stadtzürcher die Regular Season mit zwei Heimniederlagen beendeten.

Die Flyers gewinnen das Derby-Playoff aber nicht nur aus diesen handfesten Gründen. Sondern weil sie es trotz alledem auch noch als Aussenseiter in Angriff nehmen können. Das erscheint irrational, aber es entspricht weit gehend der öffentlichen Wahrnehmung. SCB-Coach John van Boxmeer spricht für viele, wenn er als seine ernsthaftesten Konkurrenten im Titelkampf neben Meister Davos und dem Qualifikationszweiten Genf die ZSC Lions nennt. Ihre grosse Erfahrung und ihre physische Stärke zeichnen die Stadtzürcher scheinbar als typisches Playoff-Team aus. Und die klingenden Namen der vielen Nationalspieler und Ausländer verleiten dazu, ihnen Grosses zuzutrauen. Genau wie vor den beiden letzten Saisons.

Der grosse psychologische Vorteil für die Flyers besteht nun darin, dass die verkehrte Rollenverteilung auch in den Köpfen beider Zürcher Teams besteht. Die Lions halten sich nach einer geringfügigen Steigerung gegenüber dem letzten Jahr selbst für Meisterkandidaten. Sie werden deshalb wie gehabt in eine Sinnkrise verfallen, sobald der Erfolg ausbleibt. Ein zusätzliches Problem haben sich die labilen Löwen mit Domenico Pittis an Bord geholt. Der emotionale Italokanadier liess sich im letzten Playoff in Lugano durch den Vergleich mit der Cartoon-Figur Homer Simpson aus dem Konzept bringen. Von seinen ehemaligen Fans in Kloten hat er wesentlich bösere Anfeindungen zu erwarten.

Die Flyers auf der anderen Seite sehen sich wie in den letzten beiden Jahren gegen Bern und Lugano auch im Duell mit dem reichen Nachbarn als Underdogs. Entsprechend entschlossen werden sie wieder auftreten.

Kloten lebt schon lange gut mit dem Vorurteil, zu jung und zu leicht zu sein. Und der ZSC tut sich seit geraumer Zeit schwer mit dem Image des Favoriten. Darum beendeten die Klotener die Qualifikation zum dritten Mal in Folge vor den Zürchern. Darum erreichen sie auch zum dritten Mal in Folge den Halbfinal und die Lions zum dritten Mal in Folge nicht.

ZSC GEWINNT

Zugegeben: Kimmo Rintanen ist ein Genie. Und die Flyers spielen temporeiches und erfolgreiches Eishockey, das sie in der Qualifikation bis auf Rang 3 trug. Das verdient höchste Anerkennung. Aber jetzt beginnt eine neue Saison. Der Spruch, dass man mit Offensive Spiele, mit Defensive Meisterschaften gewinnt, wird deshalb so oft zitiert, weil er stimmt. Gewannen die Anaheim Ducks mit gepflegten Kombinationen den Stanley-Cup? Mitnichten. Sie verriegelten, ganz humorlos, den Weg zu ihrem Tor. Das können die ZSC Lions auch. Wo Beat Forster Checks austeilt, wächst kein Gras mehr. Radoslav Suchy fischt mit seinem langen Stock die Pucks von den gegnerischen Stöcken. Und zuletzt steht da noch Ari Sulander.

Die Löwen zeigten im Viertelfinal 2007 gegen Davos, dass sie Playoff-Eishockey spielen können. Sie hätten den späteren Meister geschlagen, wenn nicht bei 3:1 Sulander ausgefallen wäre. Und die aktuelle Mannschaft ist um einiges höher einzuschätzen als jene vor einem Jahr.

Die ZSC Lions haben im Verlaufe des Winters eine Identität bekommen. Sie haben vier Topverteidiger, zwei Reihen für die Tore, einen unberechenbaren dritten Sturm und eine Checkerlinie, die diesen Namen verdient. Es war für die Zürcher lange ein schwieriger Winter, doch sie sind an den Widerständen gewachsen. Und mit Peter Sejna und Domenico Pittis sind im Verlaufe der Saison zwei ausländische Stürmer dazugestossen, die man lange vergeblich gesucht hatte.

Die ZSC Lions sind stabiler und kräftiger als Kloten. Und sie sind hungriger. Viele Spieler haben nach harten Zeiten etwas zu beweisen. Den Flyers hingegen würde niemand einen Vorwurf machen, wenn sie scheiterten. Man würde sich mit der guten Regular Season trösten. Die Löwen werden Rintanen das Leben in jedem Einsatz schwer machen, bis er die Freude verliert. Und ohne ihren finnischen Dynamo sind die Flyers nur noch die Hälfte wert.

Zudem sind bei den ZSC Lions die Parallelen zum Meisterteam von 2000 verblüffend. Auch damals hatten sie zwei Jahre zuvor gegen den Abstieg gekämpft, ehe sie sich punktuell verstärkten, zu einem Team zusammenwuchsen und auf der Basis einer soliden Defensive triumphierten. Auch damals waren die ZSC Lions um einen starken Kern von Schweizern aufgebaut, auch damals kam vor dem Playoff ein neuer Stürmer (Ivankovic). Und der Abgang von Trainer Kent Ruhnke stand ebenfalls schon früh fest. Die Geschichte könnte sich wiederholen.

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