Fähnli-Eu(ro)phorie und Paragraphen-Frage
30. Mai 2008, 10:13Überall Autos mit Landesfähnchen von Euro-Teilnehmern. Obwohl sie Farbe auf die Strasse bringen, fragt sich manch einer, ob sie erlaubt sind. Bei uns ja, in Österreich eigentlich nicht.
Von Roger Braun
Was wurde gejammert über die lahme Euro-Stimmung in der Schweiz. Doch dann dies: Wo man hinschaut, flattern Landesfahnen. Und: Es werden immer mehr. Bei Interdiscount gibts das Autofähnchen für einen Franken, wer einen Sack Pommes Chips kauft, kriegt ein Fähnchen beigelegt und für zwei Mars-Riegel gibts am Kiosk den dokumentierten Nationalschwur gratis dazu. Aufgekommen sind die Autofähnchen vor zwei Jahren während der Weltmeisterschaft in Deutschland.
Schweiz, Italien, Portugal und Spanien
«Was momentan abgeht, ist unglaublich», sagt Pierre Karlen von der Fahnenfabrik Bern. Karlen schätzt, dass während der Euro über 600000 Fähnchen im Fahrtwind flattern werden. In den letzten Wochen sei die Nachfrage geradezu explodiert. Gefragt sind vor allem Schweizer Fähnchen, die etwa 80 Prozent des Umsatzes ausmachen. Dann folgen Italien, Portugal und Spanien.
Kunststoffstiel ja, Holz nein
Gewisse Unsicherheit herrscht in der Branche, ob die Anbringung der Autofähnchen überhaupt legal ist. Einige Verkäufer gehen davon aus, dass die Polizei allein ob der schieren Anzahl der Fähnchen gar nicht einschreiten könne. Auch in Polizeikreisen herrscht zum Teil Unsicherheit, ob die Fähnchen lediglich während der Euro toleriert werden dürfen.
Dabei ist die rechtliche Situation klar, wie Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen Astra versichert. Wichtig sei, dass die installierten Fahrzeugteile kein Verletzungsrisiko darstellten. Wie es in der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassverkehrszeuge heisst, müssen Flaggenständer bei leichtem Druck nachgeben. «Dies ist bei den gängigen Autofähnchen mit Kunststoffhalterung der Fall», sagt Rohrbach. Verboten sind dagegen Flaggen mit Holzstiel, weil diese für andere Verkehrsteilnehmer wie Velofahrer oder Fussgänger eine erheblich Gefahr darstellen.
Unabhängig der rechtlichen Konsequenzen, rät Rohrbach zu Vorsicht im Umgang. Auf der Autobahn sei die Gefahr gross, dass die Fähnchen weggewindet würden und andere Verkehrsteilnehmer gefährdeten.
5000 Euro Busse angedroht
Da von den Autofähnchen keine Gefahr ausgeht, können diese theoretisch das ganze Jahr flattern. Dies im Gegensatz zu Österreich: Dort löste eine Polizeijuristin grossen Unmut in der Bevölkerung aus, weil sie mit Bussen von 5000 Euro drohte. Der Druck der Strasse hat allerdings inzwischen den österreichischen Verkehrsminister dazu bewogen, den entsprechenden Paragraphen während der Euro auszusetzen.%perl>
Höherer Benzinverbrauch
Wer sich lauthals über die steigenden Ölpreise beklagt, sollte sich nochmals überlegen, ob er tatsächlich ein Autofähnchen an seinem Auto anbringen will. Durch den höheren Luftwiderstand erhöht sich nämlich der Treibstoffverbrauch.
Der Effekt ist vergleichbar mit einem Skiträger auf dem Dach. Die grössere Reibungsfläche erhöht die notwendige Energie, um vorwärts zu kommen. Je schwächer die Motorenleistung und je grösser das Fähnchen, desto grösser ist der Mehrverbrauch.
Schätzungen gehen von einem zusätzlichen Verbrauch von 0,2 bis 0,5 Liter pro 100 Kilometer aus. (sda)
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