Schweiz

«Liebeserklärung» in Orange zum Abschied

17. Juni 2008, 23:58

Da hat sich eine Fussball-Liebe entwickelt: Die Oranje-Fans in Bern zogen beim letzten «traditionellen Marsch zum Stade de Suisse» mit einem Riesen-T-Shirt und Dankesaufschrift durch die Strassen.

Erneut sorgten die Holländer in Bern für Gänsehaut - diesmal mit einem «Liebesgruss» an ihre Fussballstadt.
Keystone Erneut sorgten die Holländer in Bern für Gänsehaut - diesmal mit einem «Liebesgruss» an ihre Fussballstadt.

Punkt halb sechs ging es in Bern wieder los: Zehntausende holländische Fans starteten auf der Kornhausbrücke zu ihrem dritten Oranje-Zug ins Stade de Suisse. Es waren aber nicht nur Holländer, die sich orange gekleidet und geschminkt hatten, nein, auffällig viele Schweizer hatten nach dem Out ihrer Mannschaft die Farben und Flaggen gewechselt und waren ins holländische Lager übergeschwenkt. Und sie feierten zusammen den ganzen Tag über eine Riesenparty.

Das Ampel-Ritual

Rund drei Stunden vor dem Anpfiff versammelten sich die Fans dann vor den beiden extra hingestellten Ampeln am Fuss der Kornhausbrücke. Als die Lichter von Rot auf Orange wechselten, ging der dritte Oranje-Zug Richtung Stadion los. Jene, die kein Ticket für das Spiel hatten, begleiteten die glücklicheren Zuschauer mit Eintrittskarten bis zum Stadion, ehe sie wieder zurückkehrten in die Fanzonen in der Innenstadt.

Tausende Berner standen den Fans derweil Spalier und zollten den farbenprächtigen Kostümen und Gefährten Applaus. Einen Fasnachts-Umzug im Juni hatten sie zuvor noch nie erlebt, nun war es bereits der dritte innerhalb einer Woche. Am Mittwoch aber zieht der ganze Anlass weiter nach Basel, notabene in eine traditionelle Fasnachts-Stadt.

Tschäppäts Wehmut und ein Käse für Petra van den Ham

«Ein bisschen wehmütig sind wir schon», sagte der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät vor den Medien. Die Stadt habe sich an die Holland-Spiele gewöhnt. Am liebsten würde er gleich alle Oranje-Fans einbürgern, sagte Tschäppät mit einem Augenzwinkern. Um diese neue bernisch-holländische Freundschaft zu unterstreichen, schenkten die Berner Organisatoren der 500’000-sten Holland-Anhängerin - Petra van den Ham aus dem niederländischen Houten - ein riesiges Stück Emmentaler.

Die holländischen Fans hätten Bern wunderbare Tage geschenkt, sagte der Berner Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacker. «Wir hoffen, dass die Kalorien dieses Käses die Holländer bis in den Final nach Wien bringen werden.»

Der Oranje Supporters Club bedankte sich bei den Berner Verantwortlichen und versprach, nochmals zurückzukommen, sollte Holland Europameister werden, um den Titel gemeinsam zu feiern.

Bereit für ein weiteres Spiel

Und wie gross ist die Chance, dass die Basler den neuen Rasen im St. Jakob Park nicht rechtzeitig verlegen und es nach dem letzten offiziellen Spiel in Bern nochmals zu einer Holland-Partie in der Hauptstadt kommt? Bern wäre bereit für ein weiteres Spiel, sagte Tschäppät, tat die Überlegung aber sogleich als Illusion ab.

Schon rein logistisch sei das Ganze unvorstellbar: Basel habe 12’000 Tickets mehr verkauft als man im Stade de Suisse Plätze zur Verfügung habe. «Wir hoffen für die Basler, dass der Rasen rechtzeitig bereit sein wird.»

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