Schweiz

Millionen Deutsche feiern Einzug ins Final

26. Juni 2008, 06:50

Ganz Deutschland im Freudentaumel: Millionen Fans haben den Einzug der DFB-Elf ins Finale der Fussball-Europameisterschaft ausgelassen gefeiert.

In vielen Städten begannen schon zum Abpfiff des Spiels gegen die Türkei die Hupkonzerte. Vielerorts feierten türkische Fans zusammen mit Deutschen. Es blieb meist friedlich.

Ausgelassene Stimmung herrschte etwa auf Deutschlands grösster Fanmeile vor dem Brandenburger Tor. Sie war bereits eine Stunde vor Anpfiff der Partie wegen Überfüllung geschlossen. Die Veranstalter zählten etwa 500’000 Besucher. Auch an anderen Orten waren viele öffentliche Übertragungen schon vor Spielbeginn überfüllt und mussten abgesperrt werden. Bis auf kleinere Zwischenfälle blieb alles ruhig in der Hauptstadt, in der auch 200’000 Türken leben. Es gab bis kurz nach Mitternacht nur 13 Festnahmen.

Die Berliner Polizei verhinderte am Rande des Spiels offenbar eine Schlägerei zwischen Türken und Kurden. Beamte gingen dazwischen, als sich im Bezirk Kreuzberg beide Gruppen immer weiter annäherten.

Zu einem Zwischenfall kam es während der Begegnung auf dem Heiligengeistfeld im Hamburger Stadtteil St. Pauli, wo 42’000 Menschen das Spiel verfolgten. Rund 15 Personen wurden verletzt, als eine Frau Reizgas versprühte, wie die Polizei mitteilte. Insgesamt wurden 20 Personen festgenommen.

Sternfahrt zum Siegestor in München

In München feierten mehr 40’000 begeisterte Fans auf der Leopoldstrasse. Feuerwerk wurde abgebrannt, unzählige hupende, schwarz-rot-gold beflaggte Autos fuhren in einer Art Sternfahrt Richtung Siegestor. In Stuttgart feierten rund 70’000 Fans in der Innenstadt den deutschen Sieg. In Frankfurt am Main brach auf manchen Strassen wegen der Autokorsos der Verkehr zusammen.

Auch in den nordrhein-westfälischen Städten Köln, Dortmund und Duisburg blieb es zunächst weitgehend ruhig. In Duisburg gab es nach einer Schlägerei allerdings eine Festnahme wegen gefährlicher Körperverletzung.

Im Austragungsort Basel feierten Zehntausende deutsche Fans den Sieg ihrer Mannschaft ausgelassen. Auch dabei kam es zu Verbrüderungsszenen mit enttäuschten türkischen Fans. In Zürich und Bern formierten sich Autokorsos.

Ins Wasser fiel das Wiener Fanfest mit 30’000 Fussballbegeisterten: Weil während des Spiels ein Unwetter über der österreichischen Hauptstadt tobte, wurde die Fanmeile geräumt. Ein Fan wurde dabei niedergetrampelt und brach sich das Becken, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete.

Gratulation von türkischer Gemeinde
p> Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, gratulierte der deutschen Mannschaft. «Die Türken haben gespielt. Die Deutschen haben gewonnen», sagte Kolat der AP. «Die Türken waren über weite Strecken die bessere Mannschaft. Aber sie haben den Ball nicht ins Tor bekommen», sagte er. Gleichwohl beglückwünsche er die Deutschen. «Jetzt fiebert die Türkei mit Deutschland», sagte Kolat mit Blick aufs Endspiel.

Während in Deutschland ausgiebig gefeiert wurde, breitete sich in Istanbul eine bedrückende Stille nach der Niederlage der Türkei aus. Die Fans in der grössten türkischen Stadt schwiegen plötzlich. Der Moderator im Fernsehen schien fassungslos und sagte beim Abpfiff nur: «Es ist zu Ende.»

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