Hässliche Szenen nach Spielschluss
14. Mai 2006, 10:45Nach dem Abpfiff der Finalissima haben enttäuschte Basler Fans vor dem Stadion schwere Krawalle veranstaltet. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Der Trambetrieb wurde eingestellt.
Die in einem grossen Aufgebot bereit stehende Polizei trieb die Randalierer mit Gummischrot zurück. Mit Abschrankungen wurden die feiernden FCZ-Anhänger davon abgehalten, auch noch aufs Spielfeld zu stürmen. Die Pokalübergabe auf der Tribüne blieb weitgehend unbeachtet. Sie fand mit zwanzigminütiger Verzögerung statt.
Tränengasnebel vor dem Stadion
Über Stadionlautsprecher wurden die Randalierenden zur Fairness aufgerufen. Doch bereits vor dem Stadion kam es im strömenden Regen wieder zu Ausschreitungen. Die Polizei ging mit einem Wasserwerfer gegen Leuchtpetarden, Steine und Flaschen werfende Randalierer vor. Viele Eltern versuchten mit ihren Kindern, möglichst unbehelligt abzuziehen.Die Tumulte rund um den St.-Jakob-Park hielten auch in den späteren Abendstunden noch an. Die Gegend war mit Tränengasschwaden vernebelt. Über Verletzte war bis 21.30 Uhr nichts bekannt. Mehrere Ambulanzen fuhren aber mit Blaulicht durch die Stadt.
Viele Matchbesucher strömten ins Stadion zurück. Der Stadionsprecher forderte die im Inneren noch wenigen Hundert Anwesenden auf, weiter auszuharren. Das Stadion sei zurzeit der sicherste Ort für sie. Die Basler Verkehrsbetriebe stellten den Trambetrieb bis Betriebsschluss ein.
TeleZüri und Radio 24 mussten Übertragung abbrechen
Die Zürcher Lokalstationen TeleZüri und Radio 24 haben wegen der Ausschreitungen nach dem Meisterschaftsfinal ihre Direktübertragungen aus Basel vorzeitig abbrechen müssen.Der beim Fussballstadion stehende Satellitenwagen von TeleZüri» und der Studiobus von Radio 24 seien unmittelbar nach Spielende mit Leuchtpetarden beworfen und mit einem Steinhagel eingedeckt worden, sagte Nick Laederach, der am Abend als Radiomoderator der Lifesendung vor Ort dabei war.
Zudem hätten Basler Fans die Absperrungen überwunden und seien ins Gelände eingedrungen, wo die Übertragungswagen gestanden seien. Verletzt worden sei niemand, doch hätten die Reporter und Techniker flüchten müssen. Vor allem am Satellitenwagen von TeleZüri sei durch die Steinwürfe erheblicher Sachschaden entstanden, sagte der stellvertretende Chefredaktor von TeleZüri, Claude Winet.
An Laederachs Privatwagen, den er nach eigenen Angaben wegen des Zürcher Kontrollschildes wohlweislich weit vom Stadion entfernt in einem Basler Quartier abgestellt hatte, wurden zudem die Scheinwerfer eingeschlagen und die Rückspiegel abgerissen.
Relativ friedlicher Beginn
Im Vorfeld der Endrunde hatte sich die Lage noch ruhig gezeigt. Einzig beim Gästeeingang zündeten Zürcher Fans ein paar Petarden. Die Polizei bezeichnete dies als Ablenkungsmanöver, um Fans ohne Billett ins Stadion zu schleusen.Die SBB setzte für den Transport der Fussballfans aus Zürich einen Sonderzug ein. Dieser traf um 16.25 Uhr mit 700 bis 900 FCZ-Anhängern hinter dem Stadion ein. Basler Fans begleiteten die Ankunft mit Spottrufen und Pfiffen. Ein grosses Aufgebot des Nordwestschweizerischen Polizeikonkordats riegelte das Gebiet sofort ab, so dass die Zürcher Zuschauer ungehindert ins Stadion gelangten.
Für das Endspiel um die Schweizer Fussballmeisterschaft standen Hunderte von Beamten für alle Eventualitäten bereit. Die Basler Polizei wurde unterstützt vom Nordwestschweizerischen Polizeikonkordat mit Beamten aus den Kantonen Basel-Landschaft, Aargau, Solothurn und Bern sowie aus der Stadt Bern. Aus Zürich wurden zwei Wasserwerfer nach Basel beordert. Der Stadtkanton selbst hat keine solchen Geräte.




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