Grossleinwände treiben die Kosten der Euro 08 in Basel in die Höhe

17. Januar 2007, 17:50

Die Fussball-EM kommt die Basler Bevölkerung um die Hälfte teurer zu stehen als vorgesehen. Die Region profitiere trotzdem, beteuern die politisch Verantwortlichen.

Von Thomas Knellwolf, Liestal

«Basel. Mehr als 90 Minuten», lautet das Motto des Schweizer Hauptorts der Europameisterschafts-Endrunde. Doch noch dauert es 514 Tage, bis die Schweizer Nationalmannschaft zum Eröffnungsspiel im Basler St.-Jakob-Park aufläuft. Noch dominieren statt des propagierten Mehrwerts bedeutende Mehrkosten die Schlagzeilen.

Die Regierungen beider Basel veranschlagen die regionalen Euro-08-Ausgaben neu auf 21,6 Millionen Franken. 14,5 Millionen sollen die beiden Halbkantone beitragen. Der ländliche Halbkanton berappt ein Drittel, die Stadt zwei Drittel. Das letzte Wort zur Kostensteigerung um fast 50 Prozent haben der Basler Grosse Rat und der Baselbieter Landrat. Noch vor einem Jahr hatten die Basler Regierungen nämlich weniger als 10 Millionen aus den Staatskassen für die sechs EM-Spiele einkalkuliert.

Zuvor hatte bereits der Bund bei den Kosten für den Grossanlass massiv tiefgestapelt: Bei der gemeinsamem EM-Kandidatur der Schweiz und Österreichs sprachen der Bundesrat und der Schweizerische Fussballverband (SFV) ebenfalls von rund 10 Millionen Franken EM-Kosten – allerdings für den gesamten Schweizer Teil des Turniers. Mittlerweile wendet der Bund alleine 82,5 Millionen auf.

Die Basler Regierungen begründeten an der gestrigen Pressekonferenz in Liestal die jüngste Kostensteigerung in der Nordwestschweiz mit Erkenntnissen aus dem vergangenen Sommer: An der Weltmeisterschaft in Deutschland habe sich gezeigt, dass internationale Fussballturniere ausserhalb der Stadien mehr Menschen bewegen als innerhalb. Insbesondere die Anziehungskraft von Grossleinwänden mit Direktübertragungen auf die Massen hatten die Basler Verantwortlichen unterschätzt. Nun wird ins so genannte Public Viewing investiert. Ins Gewicht fallen dabei auch die Nebenkosten für Sicherheit und Sauberkeit. In seiner ausgedehnten Fan-Zone quer durch die Innenstadt rechnet Basel bei Spitzenspielen mit bis zu 50 000 Fussballanhängern aus dem Ausland, die ohne Tickets anreisen. Für die Gäste werden zusätzliche Parkplätze, Campingplätze, aber auch Hotelschiffe eingerichtet.

Für die Kostensteigerung machte die Baselbieter Regierungsrätin Sabine Pegoraro (FDP) gestern aber auch den Europäischen Fussballverband (Uefa) verantwortlich, der nur 1 Million Franken an die Basler Kosten beisteuere: «Mich stört, dass die Uefa mehrere Hundert Millionen Franken Gewinn einfährt, während die öffentliche Hand die Kosten übernimmt.» Basler Parlamentarier sprachen in diesem Zusammenhang von einer «Nötigung» der Öffentlichkeit durch die Fussballverbände Uefa und SFV. Neben den beiden Basel trägt der Bund mit 4,2 Millionen zu den regionalen Euro-Kosten bei.

In Basel trägt die Schweizer Nationalmannschaft ihre drei Gruppenspiele aus. Zudem finden dort zwei Viertelfinals und ein Halbfinal statt. Die Ereignisse um die sechs Mal 90 Minuten sollen der Wirtschaft der Region grosse Gewinne bescheren: Gemäss einer Studie im Auftrag der Veranstalter sind es netto 30 bis 40 Millionen Franken.

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