Eclat bei GC: Die Führung tritt ab

19. April 2007, 06:40

Gestern Abend nach dem Spiel in Schaffhausen erklärte die GC-­Führung ihren Rücktritt auf das Saisonende. Wer nachfolgt, ist unklar.

Mit Walter Brunner geht die ganze GC-Führung.
Mit Walter Brunner geht die ganze GC-Führung.
Von Thomas Schifferle, Schaffhausen

Der Kriegsrat tagte nach dem Spiel auf der Schaffhauser Breite gleich neben der Trai­nerbank in aller Ausführlichkeit. Walter Brunner und Karl-Heinz Riedle redeten auf Krassimir Balakov ein. Was der Trai­ner von Präsident und Sportchef hörte, wollte er später nicht kommentieren. Für ihn ging es darum, in diesem Moment Fas­sung zu bewahren.

Brunner und Riedle hatten ihm mitgeteilt, dass sie sich gestern zusammen mit dem Rest des Verwaltungs­rates zum Rücktritt auf Saisonende ent­schlossen haben. Die Vermutungen und Gerüchte, wie es mit GC weitergeht, haben sich schon lange gehalten. Brunner dementierte noch am letzten Sonntag, vor dem Rücktritt zu ste­hen. Er bleibe sicher bis 2008, behauptete er.

Und jetzt diese Korrek­tur an einem Mittwoch, an dem bei GC eigent­lich das Spiel in Schaff­hausen im Vorder­grund stehen sollte. GC spielte 1:1.

Yakin neuer Trainer?
Aber als Brunner und Riedle abends um zehn Uhr vor der Fern­sehkamera standen, ging es nicht darum, sondern um das poli­tische Geschäft. Sie gehen, im Verbund mit Finanzchef Beat Schnider und Aloys Hirzel, weil sie sich nach zweieinhalb Jah­ren am Ende ihres Weges sehen. GC sei schuldenfrei per Ende Saison, teilten sie mit, die Finanzierung sei langfristig gesi­chert, alles abgedeckt offenbar durch Bankgarantien. Und sie sagten, die Mann­schaft habe eine gute Zukunft, wenn man auf Junge und Arrivierte setze.

«Ab der neuen Saison kommt ein neuer Verwaltungsrat», zitierte Pressesprecher Eugen Desiderato aus dem Communiqué. Aber kein Wort, wer die neue Führung bil­det. Also doch eine Gruppe um Erich Vo­gel, wie das ein Spielervermittler mit nächster Nähe zu Riedle am Vorabend in Umlauf gebracht hat? Und mit Vogel, dem früheren streitbaren Sportchef vom Hard­turm, Murat Yakin als künftiger Trainer? «Die neue Crew wird sich vorstellen», antwortete Brunner nur. Er redete, wie Riedle, bloss in die TV-Kamera, aber sonst nicht weiter. «Ich bin kein Kommunikati­onsprofi », erklärte er flapsig und ver­schwand in die dunkle Nacht.

Surreale Szenen
Es war surreal, ja skandalös, wie das auf der Breite ablief. Und stilvoll war es erst recht nicht, einen solchen Entscheid von solcher Tragweite in einem solchen Mo­ment und einer solchen Umgebung mitzu­teilen. Das hat nichts mit Grösse zu tun, sondern hinterlässt den Eindruck, dass die bislang handelnden Personen froh sind, sich aus der Verantwortung zurückziehen zu können. Auf jeden Fall widerspiegelte dieser Auftritt von Brunner und Riedle das Chaos, in dem der Verein sportlich schon seit längerem steckt.

1:1 spielte GC übrigens auf der Breite, 1:1 nach einer schwachen ersten und spürbar besseren, engagierteren zweiten Halbzeit. Balakov sah «einen Schritt nach vorne». Das war es, auch wenn ein Remis beim Ta­bellenletzten keine ruhmvolle Tat ist. Aber im Vergleich mit dem blamablen Auftritt drei Tage zu­vor beim 1:2 gegen das­selbe Schaffhausen traf Balakovs Analyse zu. In der 28. Minute ging Schaffhausen in Führung.

Coltorti hatte schwach ausgesehen, weil er bei der Flanke auf der Torlinie stehen blieb, und Weligton liess Neri unbedrängt zum Kopfball kommen. GC hatte die erste rich­tige Chance in der 77. Minute, als Ailton nach Leóns Steilpass allein aufs Tor rannte. Und er traf, womit er seine Bilanz gleich wesentlich aufwertete. Bis dahin war er achtmal ins Offside gelaufen. Ailton kam in der 89. und 90. Minute zu weiteren Chan­cen. Er vergab.

Eines sagte Balakov dann doch noch: «Ich brauche Zeit, das zu verdauen.» Er meinte nicht das Spiel.

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