Planung der Euro 2012 im Verzug
14. April 2008, 15:51Als die Euro 2012 an Polen/Ukraine vergeben wurde, fragte ein Reporter den polnischen OK-Chef was er nun tun werde. «Wodka trinken», lautete die Antwort. «Und morgen?» «Morgen auch».
Ende Januar hatte Uefa-Präsident Michel Platini in der italienischen Zeitung «La Repubblica seiner Besorgnis über die schleppend vorangehenden Vorbereitungen für die übernächste Europameisterschaft Ausdruck gegeben. Dahinter steckte eine leise Drohung. «Wir haben versucht, sie aufzuwecken. In einigen Monaten werden wir sehen, ob es genützt hat», sagte Platini. Ende Juni werden er und seine Kollegen darüber befinden, ob in den beiden osteuropäischen Staaten Fortschritte im Aufbau der Infrastruktur zu erkennen sind. Zur Debatte steht, die Euro 2012 vier Jahre vor dem Termin anderweitig zu vergeben. Ausgesprochen hat dies am Uefa-Hauptsitz freilich noch niemand.
Das Gerücht, Polen habe bereits mit dem deutschen Verband Kontakt aufgenommen, wurde energisch dementiert. «Wir bereiten die Euro ausschliesslich mit der Ukraine vor», versicherte Sportminister Miroslaw Drzewiecki. Doch in Polens östlichem Nachbarland ist der Ernst der Lage offenbar nicht erkannt worden. Obwohl Geldquellen en masse vorhanden wären, ist noch wenig passiert, um die Maschinerie in Gang zu bringen. Jüngst richtete Grigori Surkis, der Präsident des nationalen Verbandes, einen dramatischen Appell an die Politik. «Die Zeit läuft ab. Wir haben nur noch einige Tage zur Verfügung, nicht Monate oder Jahre.»
Zur Beruhigung der Gemüter versicherten Polens Premierminister Donald Tusk und seine ukrainische Amtskollegin Julia Timoschtschenko vor gut drei Wochen, dass sich seit ihrem Amtsantritt im November respektive Dezember 2007 vieles zum Guten verändert habe. «Beide Regierungen arbeiten so schnell wie möglich, und ich bin hundertprozentig überzeugt, dass wir die Arbeiten rechtzeitig beenden werden», sagte Tusk bei der Unterzeichung eines Partnerschaftsvertrags für den Strassen- und Stadionbau. «Wir haben kritische Stimmen der Uefa erwartet und erwarten solche auch künftig. Es liegt in der Verantwortung der UEefa und von Herrn Platini, jeden Tag zu zeigen, was noch nicht befriedigend ist», so Tusk.
Am Montag unterschrieben die Präsidenten beider Staaten eine weitere gemeinsame Erklärung, die Zusammenarbeit zu intensivieren. Ende April sollen sich die Vertreter der acht Austragungsstädte treffen. Das ukrainische Staatsoberhaupt Viktor Juschtschenko sagte, man befinde sich im Zeitplan, alle Projekte sollten rechtzeitig abgeschlossen werden. Laut Juschtschenko wird das Stadion in Donezk in der zweiten Jahreshälfte seiner Bestimmung übergeben. Zudem befänden sich derzeit mehr als 100 Hotels im Bau.
Korrupte Chefetage
Zur Unzeit hat Polens Verband (PZPN) mit innenpolitischen Problemen zu kämpfen. Präsident Michal Listkiewicz, ein ehemaliger Schiedsrichter und Linienrichter im WM-Final 1990, und weitere Mitglieder sind in einen Korruptionsskandal mit 120 Angeklagten verwickelt. Seit 2005 führt die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen korrupte Trainer, Schiedsrichter, Spieler und Funktionäre. Nach Angaben von Justizminister Zbigniew Cwiakalski sind mindestens 29 Mannschaften involviert.
An einem Sonderkongress des Verbandes am Sonntag erklärte PZPN- Chef Listkiewicz, er werde am 14. September, also drei Monate vor dem Ende der Legislaturperiode, nach neun Jahren von seinem Amt zurücktreten. Er entschuldigte sich bei den Fans für die «wenig wirksame» Bekämpfung der Korruption. «Ich bitte um Verzeihung, dass wir die Korruption nicht rechtzeitig in den Griff bekommen haben.» Sportminister Drzewiecki bezeichnete derweil die Rücktrittsankündigung als «Beginn der Genesung des Fussballs». Das Ausmass der Affäre schockiere, die Regierung werde den Fussball von der Korruption «reinigen», auch wenn das mehrere Jahre dauern sollte.
Im Aufbau der Infrastruktur ist für beide Länder neben dem teils undurchsichtigen Geldfluss die höchste Hürde zu orten. Polen verfügt derzeit über rund 700 km Autobahn; bis zum Jahr 2012 sollen es 1600 km werden. Das gesamte Strassennetz soll mit einem zweckgebundenen Budget von rund 35 Milliarden Euro um mehr als 3000 km erweitert werden. Nur: Polen fehlen qualifizierte Kräfte für den Strassenbau. Schon vor der EU-Osterweiterung 2004 haben viele Facharbeiter das Land verlassen und insbesondere in Grossbritannien ihr Glück gesucht. Und in der Ukraine, dem grössten Nachbarland, wo Polen Leute zu rekrutieren pflegt, werden Arbeiter mehr denn je gebraucht.
Weniger Sorgen macht man sich in Polen um die rechtzeitige Fertigstellung oder die Renovation der vier EM-Stadien. Die Finanzierung von rund 730 Millionen Euro für die vorgesehenen Arenen in Danzig (44 000 Zuschauer), Poznan (46 000), Wroclaw (45 000), Warschau (77 000) sowie in den Ersatzorten Chorzow (60 000) und Krakau (35 000) ist durch die Regierung sicher gestellt. Die besten Noten von der Uefa erhielt das Projekt der neuen Ostsee-Arena in Danzig.
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