Die Piazza strahlt stärker als Stars und Sterne
06. August 2008, 22:23 Von Nina ScheuDas 61. Internationale Filmfestival von Locarno ist eröffnet. Es braucht keine Berühmtheiten, um den magischen Ort strahlen zu lassen.
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- Locarno leidet an seiner Bescheidenheit
Demut vor der Kunst und zugleich Stolz auf eine 61-jährige Tradition als Bühne für Filme aus aller Welt, so sagte Festivalpräsident Marco Solari an der Eröffnungsfeier in der Magistrale von Locarno, bedeuten für ihn nur eines: dass man vorwärtsschreiten muss, der stets grösser werdenden Konkurrenz zu trotzen gewillt. Dabei lag der Charme Locarnos nie in der (nicht) anwesenden Prominenz, sondern immer schon in der Bescheidenheit der Tessiner Kleinstadt, wo Gespräche mit Filmschaffenden aus aller Welt möglich sind, ohne dass man sich ins Abendkleid oder in den Smoking zu stürzen braucht.
Dafür wäre es heute Abend auch zu warm gewesen. Die Erde dampft im Tessin. Der Boden hat sich vollgesogen mit dem Regen der vergangenen Wochen und gibt ihn jetzt unter der sengenden Sonne wieder frei. Entsprechend schwül war es am Eröffnungsabend auf der Piazza Grande. Und schwül, sogar ein klein wenig schwul war der Eröffnungsfilm «Brideshead Revisited». Im Laufe von 132 mitunter etwas langen Minuten geht es um verbotene Liebe, Standesunterschiede und die Zwänge einer frömmlerischen Moral, der alles Lebensglück geopfert wird. Die grossartige Emma Thompson spielt eine katholische Adlige im England der Zwanziger- und Dreissigerjahre, deren Sohn und Tochter ihr Herz an denselben Mann verlieren.
Zum Auftakt des «kleinsten unter den grössten» Filmfestivals der Welt hatten es aber weder Thompson noch ihre Ko-Stars Michael Gambon (bekannt als Dumbledore in den meisten «Harry Potter»-Filmen) oder Ben Whishaw («Das Parfum») ins Tessin geschafft. Nur Regisseur Julian Jarrold präsentierte sein Melodram zusammen mit dem Künstlerischen Direktor Frédéric Maire und Marco Solari.
Aber auch wenn weder die Stars noch die Sterne am bewölkten und gelegentlich nassen Himmel über Locarno so richtig strahlen wollten, war der grosse Platz doch in ein magisches Licht getaucht. Ein neues Beleuchtungskonzept lässt die Häuser am Rand des alten Pflasters in zartem Rosa, Goldgelb oder Himmelblau oder auch in den hell leuchtenden Namenszügen berühmter Filmschaffender erstrahlen. Auch der Blick der Kamera ins wartende Publikum vor Filmbeginn ist dank zusätzlicher Scheinwerfer schärfer geworden.
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