Kommentar
Ein Urteil am Limit
14. September 2007, 06:00 Von Robert Höpoltseder
Mit dem gestrigen Urteil hat der Fia-Weltrat versucht, es allen Parteien Recht zu machen. Und damit sind nicht nur der Kläger Ferrari und das angeklagte McLaren gemeint, sondern auch die Formel 1 als Ganzes. Dieses Manöver am Limit ist gelungen. Somit kann sich GP-Zirkusdirektor Bernie Ecclestone, der im Hintergrund sicherlich die Fäden gezogen hat, doch noch auf ein spannendes Finale in der Fahrer-WM freuen.
Und was für den Chefvermarkter der Formel 1 noch wichtiger ist: Die TV-Quoten dürften global auch in den restlichen vier Saisonrennen hoch bleiben. Hinzu kommt, dass diese Spionageaffäre, welche die Medien zwischenzeitlich sehr von Rennen und Trainings abgelenkt hat, nun endlich vom Tisch ist.
Nun ist Ferrari zum ersten Mal seit 2004 wieder Weltmeister in der Konstrukteurswertung. Wichtiger für seinen Teamchef Jean Todt ist, dass er sein Gesicht wahren und seinen Job behalten konnte. Denn was ihm an dieser Spionageaffäre am meisten schadete, war, dass Erz- rivale McLaren-Mercedes - ähnlich wie in einer Pokerrunde - durch den Saboteur Nigel Stepney seine Karten kannte. Todt hätte es fast die Direktorenstelle gekostet, weil McLaren von Internas bei Ferrari wusste. Und dabei ging es nicht um Ferrari-Teile, die McLaren kopiert hat, sondern um Budgets, Strategien und versteckte Tricks. Todt hätte besser auf seinen «Spionageschutz» achten sollen.
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