Schweiz

Zum 25. Mal Einzug in die zweite Heimat

02. Juni 2008, 07:23 – Von Ueli Kägi

Die Schweizer Nationalspieler finden heute Abend nach zwei freien Tagen wieder zusammen. Im EM-Quartier in Feusisberg beziehen sie ihre Suiten und sind froh darüber.

Köbi Kuhn ist treu und konservativ. Er sucht sich gerne altgediente Spieler aus. Er verbringt seine Ferien auf der Rigi. Er hat viele Jahre in Wiedikon gelebt, bis er vor wenigen Wochen ein paar Hundert Meter Luftlinie weiter nach Birmensdorf zog. Und mit ihm zieht die Nationalmannschaft heute Montag zum 25. Mal im Panorama- Hotel hoch über dem Zürichsee ein. Bessere Werbung gibt es für das noble Haus nicht zu kaufen.

107 Zimmer verwaltet der Familien-betrieb der Rüeggs im schwyzerischen Feusisberg, keine Übernachtung ist an einem ganz normalen Tag billiger als 225 Franken pro Person im Doppelzimmer. Es gibt in diesem Hotel auch in schwächeren Auslastungsmonaten keine Discount-raten, so ist die Preispolitik. Der Schweizerische Fussballverband hat das Panorama für sich alleine gemietet und bezieht mit seiner Delegation rund 60 Zimmer.

Seit über 30 Jahren kennt Kuhn das Hotel, nur habe es damals noch ganz anders ausgesehen. Er erinnert sich, wie er einst mit Sepp Maier geschnupft habe, als die Bayern in Feusisberg logierten. Und er erinnert sich, wie einige Spieler nörgelten, weil es zu weit weg von Zürich sei, als er mit der Idee antrat, hier mit dem Nationalteam abzusteigen. Inzwischen seien aber alle begeistert. Tranquillo Barnetta ist froh über die Rückkehr ins Panorama, «weil wir die Atmosphäre und das Personal kennen und uns wohl fühlen». Kuhns Nachfolger Ottmar Hitzfeld hat schon angekündigt, er wolle das Hotel nicht wechseln. Und Kuhn witzelt, er müsse Chef Paul Rüegg einmal fragen, ob er jetzt eigentlich lebenslänglich ein Zimmer habe.

Die 23 Spieler beziehen je eine der 28 Asian-Junior-Suiten, 45 Quadratmeter gross, Parkettboden, weisse Bettwäsche, Panoramablick. Die Minibar soll niemanden verführen, sie ist befreit von alkoholischen Getränken. Und über allen logiert Köbi Kuhn in einer der beiden Asian-Rooftop-Suiten, 90 Quadratmeter gross, mit Besprechungszimmer und exklusiv mit Balkon. 560 Franken kostet Kuhns Reich pro Nacht bei Einzelbelegung. Alle Zimmernummern bleiben geheim, aus Sicherheitsgründen. 70 bis 80 Hotelangestellte werden sich täglich um das Wohl der Delegation kümmern - bei insgesamt 140 Vollzeit-Stellen. Die Uefa lässt das Hotel zusätzlich bewachen.

Seit zwei Wochen sind die Schweizer Spieler mittlerweile zusammen. Einige von ihnen hätten eigentlich schon jetzt genug gejasst, Videogames gespielt, gelesen, Kaffee getrunken, Sudokus gelöst, in die Röhre gekuckt. Das Panorama bietet zur Bekämpfung des Lagerkollers eine speziell erweiterte Openair-Lounge mit Fernsehern für die Euro-Übertragungen. Es bietet auch alles, was zu einem 2000 Quadratmeter grossen Wellness- und Spa-Bereich gehört.

Und das Panorama soll vor allem eines sein: Heimat vom guten Geist von Feusisberg.

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