Gilberto Gil hat genug von der Politik
01. August 2008, 18:39 Von Hans MoserDer brasilianische Popstar ist als Kulturminister seines Landes zurückgetreten. Künftig, so begründete der 66-jährige Komponist und Sänger seine Demission, wolle er sich wieder stärker seiner Karriere als Musiker widmen.
Gilberto Gil war eine der Vorzeigefiguren in der Regierung des ehemaligen Metallarbeiters Luiz Inácio Lula da Silva. Er gehörte seit 2003 dem Mitte-links-Kabinett an, verfügte dort aber - wie die im Mai zurückgetretene Umweltministerin Marina Silva - über wenig Einfluss, da die Kultur keine Priorität des Präsidenten ist.
Gil selbst, der mehrere Produktionsfirmen besitzt, sah sein politisches Amt von Anfang an bloss als Teilzeitjob; auch in seiner Zeit als Minister gab er immer wieder Konzerte im In- und Ausland. Wegen seiner häufigen Abwesenheiten und seiner eher mageren kulturpolitischen Bilanz wurde der Künstler von Oppositionspolitikern, aber auch von Kulturschaffenden zum Teil heftig kritisiert.
Unmut erregten auch mehrfach Gils geschäftliche Beziehungen. Ende 2007 rief ihn die dem Staatschef unterstellte Ethikkommission zur Ordnung, weil er der Privatbank Itaú eine Komposition als Werbemelodie verkauft hatte, obwohl das Kulturministerium auch über Projektsubventionen und Steuervergünstigungen für das Itaú-Kulturinstitut befindet. Ein solches Gebaren, so wurde der mehrfache Grammy-Gewinner gerügt, sei «unpassend für einen Minister» und dürfe nicht mehr vorkommen.
Vorreiter der Tropicalismo-Bewegung
Gil, der 1942 als Gilberto Passos Gil Moreira in Salvador da Bahia geboren wurde, gilt zusammen mit seinem Kollegen Caetano Veloso als Vorreiter der Tropicalismo-Bewegung, die in den 60er-Jahren Bossa nova mit internationaler Rock- und Popmusik verband. Die beiden jungen Künstler prangerten damals in ihren Werken auch die unter der Militärdiktatur (1964-1985) herrschenden Zustände scharf an. Ende 1968 liess das Regime Gil und Veloso verhaften und schob sie nach mehrmonatigem Gefängnisaufenthalt ins Exil nach London ab. 1972 kehrte Gil in seine Heimat zurück und engagierte sich verstärkt in der afrobrasilianischen Bewegung.
Nach dem Ende der Militärdiktatur stieg er in die Politik ein, ohne deswegen seine künstlerische Laufbahn aufzugeben. 1987 wurde der Musiker zum Kulturbeauftragten von Salvador ernannt und kämpfte für die Erhaltung des historischen Erbes der Stadt. 17 Jahre später berief ihn Lula, Brasiliens erster Arbeiterpräsident, zu seinem Kulturminister.
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