Zürich - Tages-Anzeiger
11. Oktober 2006, 07:32

Immer mehr Multimillionäre

Dem Kanton Zürich laufen die Millionäre wegen der Steuerbelastung davon - das sagen die bürgerlichen Parteien. Richtig ist das Gegenteil: Zürich hat immer mehr Multimillionäre.

Von Roger Keller

Zürich. - Im Kanton Zürich kommt ein Promille der Steuerzahler für rund zehn Prozent der Einkommens- und Vermögenssteuern auf. Das sind lediglich 730 Steuerhaushalte. Oder anders betrachtet: 25 Prozent der Steuern von Privatpersonen stammen von einem Prozent der Steuerpflichtigen, also von den rund 7300 besten Steuerzahlern. Dies lässt sich den Zahlen für 2003 (das aktuellste verfügbare Jahr) entnehmen, die Peter Moser vom Statistischen Amt für den TA zusammengetragen hat. Und nochmals aus einem anderen Blickwinkel: 13 Prozent der Pflichtigen bezahlen überhaupt keine Steuern.

Die Zahlen lassen manche politische Interpretation über die erwünschte oder unerwünschte Umverteilung via Steuern zu. Eines aber ist klar: Es ist - egal, ob einem Millionäre sympathisch sind oder nicht - von höchster Bedeutung für alle 1,26 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Zürich, wie viele gut Verdienende im eigenen Gebiet wohnen. Deshalb interessiert es auch, wie viele Vermögensmillionäre der Kanton zählt und wo sie wohnen. Dies umso mehr, als sich die finanzkräftigen Zürichseegemeinden in den letzten Jahren wiederholt beklagt haben, ihnen würden die besten Steuerzahler in die steuergünstigeren Nachbarkantone Schwyz und Zug davonlaufen. Grund: Die Steuerbelastung im Kanton Zürich - obwohl insgesamt eine der attraktivsten der Schweiz - habe auf betuchte Steuerzahler eine abschreckende Wirkung.

Zahl seit 1991 fast verdoppelt

Millionäre haben heute allerdings keinen Seltenheitswert mehr, im Kanton Zürich erst recht nicht. Deshalb hat der TA beim Statistischen Amt auch die Zahl jener Einzelpersonen ermitteln lassen, die ein Vermögen von fünf Millionen Franken und mehr versteuern. Fazit: Die von den Goldküstengemeinden beklagten Wegzüge mag es geben, aber insgesamt hat sich die Zahl der Fünffachmillionäre seit 1991 fast verdoppelt. Gab es 1991 - teuerungsbereinigt - erst 2900 Personen, die Vermögenswerte von fünf Millionen Franken und mehr auf der Seite hatten, waren es 2003 schon 5114. Im Jahr 1999 - vor dem Börsencrash - war die Zahl mit 5476 sogar noch etwas grösser.

Aufgeschlüsselt auf die einzelnen Gemeinden zeigt sich ein differenziertes Bild: In lediglich 52 der 171 Gemeinden gab es 2003 keinen Fünffachmillionär bzw. höchstens einen oder zwei (die aus Gründen des Datenschutzes nicht ausgewiesen werden dürfen). Bei den übrigen 119 Gemeinden präsentiert sich zunächst das erwartete Bild: Die höchste Konzentration an Fünffachmillionären gibt es im unteren Teil des rechten Zürichseeufers mit Küsnacht und Zollikon an der Ranglistenspitze, gefolgt von den übrigen Gemeinden des so genannten Speckgürtels von Zürich. Es handelt sich im Wesentlichen um jene Gemeinden, die auch am meisten in den innerkantonalen Steuerkraftausgleich abliefern, von dem die finanzschwachen Gemeinden profitieren.

Interessant ist nun, dass alle Goldküstengemeinden und alle Zürichseegemeinden gegenüber 1991 nicht weniger, sondern zum Teil deutlich mehr Vermögende in ihren Steuerregistern haben.

Mehr als verdoppelt hat sich ihre Zahl in den Gemeinden Meilen, Herrliberg, Rüschlikon, Stäfa, Horgen, Männedorf, Wädenswil, Oberrieden und Uetikon am See. Beachtlich ist der Zuwachs aber auch in Maur (von 30 auf 77), eher überraschend in Dübendorf (von 26 auf 56), Adliswil (von 15 auf 40), Kloten (von 19 auf 40), Fällanden (von 15 auf 37) und Egg (von 9 auf 31).

Diese Aussage gilt auch, wenn man das unterschiedliche Bevölkerungswachstum der einzelnen Gemeinden berücksichtigt: Dann zeigt sich gemäss einer Zusatzauswertung von Peter Moser, dass die Zahl der Fünffachmillionäre in allen Goldküstengemeinden von Zollikon bis Uetikon sowie in Rüschlikon und Kilchberg überdurchschnittlich zugenommen hat, am stärksten in Zumikon. Schwächer ist die Zunahme an der Peripherie des Kantons, in Orten mit weniger guten Pendelachsen nach Zürich. Laut Moser hat von 1991 bis 2003 somit eine regionale Konzentration des guten Steuersubstrats stattgefunden. Dies ist finanz- und regionalpolitisch von Bedeutung: Mehr Millionäre sorgen für mehr Steuereinnahmen, sodass der Steuerfuss sinkt, worauf noch mehr Vermögende zuziehen und die Finanzsituation dieser Gemeinden immer noch komfortabler wird.

Zürich hat am meisten Millionäre

Bemerkenswert ist aber auch, dass die Stadt Zürich in absoluten Zahlen weitaus am meisten Fünffachmillionäre zählt und ebenfalls kräftig zugelegt hat. Dies, obwohl die Stadt innerhalb des Kantons Zürich keinen attraktiven Steuerfuss hat, sondern in den meisten Jahren seit 1999 nur geringfügig unter dem kantonalen Maximum lag. Dasselbe gilt auch für Winterthur, dessen Bevölkerung für ihre Sparsamkeit selbst in äusserst vermögenden Kreisen bekannt ist: Winterthur zählt proportional verglichen mit Zürich zwar weniger gut Betuchte, liegt hinter Küsnacht und Zollikon von den absoluten Zahlen her aber doch auf dem vierten Rang und hat im untersuchten Zeitraum stärker zugelegt als Zürich.

ta

© Tamedia AG  – Quellen: tagesanzeiger.ch – Agenturen  –  » Fenster schliessen