Schweiz

Doping und Wahrheit

25. Juli 2007, 22:54

Kommentar von Peter Hartmeier.

Die Tour de France ist zur «Tour de Farce» geworden. Niemand weiss, warum der eine Fahrer siegt und der andere verliert. Die objektiven journalistischen Kriterien, nach denen die Sportreporter berichten und kommentieren, sind ausser Kraft gesetzt, wenn sich eine Mehrheit oder eine Minderheit der Fahrer – wer weiss es schon? – dopt. Sportler werden während ihrer Wettbewerbe nach transparenten Kriterien beschrieben und beurteilt: Körperliche Konstitution, individuelles Talent, Trainingszustand, taktisches Verhalten, mentale Stärke, Zusammenarbeit im Team lauten Stichworte, nach denen sich professionelle Berichterstatter richten. In einem Wettbewerb, in dem Doping offensichtlich zur geheimen Regel geworden ist, scheitert diese Art von Journalismus. Deshalb verzichtet der «Tages-Anzeiger» darauf, den Rennverlauf der verbleibenden Etappen der Tour im Einzelnen zu rapportieren. Wir beschränken uns auf die Rangliste.

Selbstverständlich bleibt aber die Tour de France als Grossereignis ein wichtiges Thema im «Tages-Anzeiger»: Auch in den nächsten Tagen berichten wir über Doping, gesellschaftliche Bedeutung der Rundfahrt und die wirtschaftlichen Hintergründe.

Die Tour de France befindet sich jetzt auf dem Tiefpunkt ihrer Geschichte: Das sportliche Ergebnis der Etappen ist ohne Wert. Sieger Rasmussen wurde gestern ausgebuht, den Nachzüglern wurde applaudiert. In dieser Krise besteht aber die Chance zur Revitalisierung der Tour und der gesamten Branche: Die Indizien mehren sich, dass die im Radsport intensivierten Anti-Doping-Massnahmen endlich zu greifen beginnen.

Der Leitung der Tour de France scheint der Ernst der Situation erstmals klar zu werden. Die Rennfunktionäre wissen, dass ein möglicher Ausstieg von Sponsoren nicht nur die ökonomische Grundlage der Tour destabilisieren würde. Vielmehr zeigt sich darin auch die schwindende gesellschaftliche Akzeptanz.

Der Druck, die Krise für einen Neuanfang der Branche zu nutzen, ist deshalb gross. Der «Tages-Anzeiger» stützt sich bei seinem Entscheid auf diese Hoffnung für eine Sportart, bei der er auch in Zukunft nahe dran bleiben will.

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