Cera, das nachweisbare Wundermittel
17. Juli 2008, 21:39 Von Werner SchweizerDer Test für Cera ist schneller entwickelt worden, als die Doper glaubten.
Das offenbar von Riccardo Riccò verwendete Mittel ist ein Epo-Produkt der dritten Generation von Hoffmann-LaRoche. Es ist erst seit Beginn dieses Jahres unter dem Namen Cera zugelassen und rezeptpflichtig. Es dient wie das künstliche Erythropoietin, das in den 90er-Jahren das Dopingmittel im Velo und bei Ausdauersportarten schlechthin war, gegen Niereninsuffizienz und Blutarmut. Es hilft bei der Produktion von roten Blutkörperchen und verbessert damit den Transport von Sauerstoff und die Leistungsfähigkeit. Es kann allerdings bei an sich gesunden Sportlern zur Verdickung und Verschlammung des Blutes bis zum Herzinfarkt führen und auch Krebsformen auslösen. Mittlerweile ist die Zuführung von künstlichem Epo bei Dopingkontrollen im Urin nachweisbar.
Epo ist heute ein Milliardengeschäft und gilt als eines der besten Medikamente überhaupt. Die neuen, weiterentwickelten Produkte sind teuer, haben aber einen wichtigen Vorteil für die Patienten, die oft nur eine Dosis im Monat benötigen. Cera hat eine andere Molekülstruktur, wirkt länger, hat aber auch eine längere Halbwertszeit. Es ist deshalb bis 14 Tage nach Einnahme im Urin nachweisbar. Dies müsste für Doper eigentlich abschreckend sein.
Ausgeweitetes Nachweisverfahren
Der Nachweis der Verwendung von Cera in Dopingtests ist heute möglich. Sie arbeite früh mit den Firmen zusammen, die solche Präparate herstellen, und sei deshalb in der Lage gewesen, Methoden zum Nachweis aller Epo-Nachfolger zu entwickeln, sagte ein Sprecher der Welt-Antidoping-Agentur Wada. Allerdings brauchen die Labors dafür ein ausgeweitetes Verfahren.
Namhafte Doping-Experten nahmen mit einem gewissen Erstaunen vom rigiden Vorgehen der französischen Agentur mit ihrem Labor in Châtenay-Malabry bei Paris Kenntnis. Der Test für Cera sei noch gar nicht validiert. Man könne aus diesem Grund keinen Fahrer als positiv deklarieren und aus dem Rennen nehmen, sagte Michel Audran, einer der führenden Kenner des Blutdopings und Consultant bei der Erstellung des biologischen Passes für die Radprofis. Wenn dieser schon angewendet würde, hätten Ricco (und andere) gar nicht zur Tour starten können. Auch bei Kontrollen im Giro seien bei Ricco, der Zweiter hinter Contador geworden war, aber auch andere Fahrer die gleichen Auffälligkeiten festgestellt worden wie jetzt, sagte Audran gegenüber verschiedenen Medien.
Der oberste deutsche Kämpfer gegen Doping, der Molekular-Biologe Werner Franke, hatte im Vorfeld der Tour öffentlich daran gezweifelt, dass die Tests schon vorhanden seien. Möglicherweise wollte er die Sünder damit in Sicherheit wiegen. Für einmal waren die Jäger dann schneller als die Gejagten. Franke hatte zudem schon vor dem dritten Fall in der Tour erneut den Abbruch der TV-Berichterstattung im deutschen Fernsehen gefordert.
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