BAG-Direktor Zeltner: «Es gibt genügend Tamiflu»
19. Oktober 2005, 00:08Noch ist die Schweiz nicht ausreichend vorbereitet für eine Grippe-Pandemie. Dies gesteht der Direktor des Bundesamts für Gesundheit, Thomas Zeltner. Tamiflu gebe es aber mit Sicherheit genügend.
Für Thomas Zeltner ist klar: Die Grippe-Pandemie kommt. Die Frage sei nur wann und wie stark. Die Vorbereitungen darauf laufen derzeit auf Hochtouren. Zurzeit gebe es kein Land, das von sich behaupten könne, vollumfänglich auf eine Pandemie vorbereitet zu sein, erklärt der Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe der Schweiz aber bescheinigt, vergleichsweise gut dazustehen.
Bisher war unklar, wie gut das Tamiflu-Pflichtlager bereits gefüllt ist. Nun gibt Zeltner im Interview mit dem TA bekannt, 96 Prozent der angestrebten zwei Millionen Packungen seien inzwischen eingelagert. «Das reicht selbst im schlimmsten anzunehmenden Fall», versichert er. Und garantiert, dass die grosse Mehrheit auch rechtzeitig zum Medikament kommt. Die Forderung, Tamiflu rezeptfrei abzugeben, hält er für «die dümmste aller Ideen».
Der gegenwärtige Ansturm auf das Medikament zeige, dass es seinem Amt bislang nicht gelungen sei, die Bevölkerung zu überzeugen. «Wir haben offensichtlich unseren Job bisher nicht genügend gut gemacht», räumt der BAG-Direktor ein. Vor allem in der Deutschschweiz sei die Verunsicherung gross. Die Verantwortung für den Schutz der Bevölkerung, die auf Zeltner lastet, macht ihm zu schaffen: «Das bereitet mir ab und zu schlaflose Nächte.» Noch sei es aber zu früh für einen Krisenstab mit einem Mister Vogelgrippe.
EU-Kommissar drängt zur Eile
Auch bei der EU war die Vogelgrippe gestern ein zentrales Thema. Gesundheitskommissar Markos Kyprianou erklärte an einem Sondertreffen, die EU solle die antiviralen Medikamente rasch beschaffen. Der Pharmakonzern Roche will die Produktionskapazität für Tamiflu weiter ausbauen.
Schweiz
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