Ein Drittel ist übergewichtig
05. Dezember 2005, 16:5337 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sind zu dick, übergewichtig oder sogar fettleibig. Die Folgekrankheiten des Übergewichts kosten jährlich rund 2,7 Milliarden Franken.
Die weite Verbreitung und die stetige Zunahme an übergewichtigen und fettleibigen Menschen wird als vordringlichstes Ernährungsproblem in der Schweiz aufgelistet. In der Schweiz sind mindestens 45 Prozent der Männer, 29 Prozent der Frauen und jedes fünfte Kind übergewichtig – Tendenz steigend.
Die ungünstige Entwicklung in der Schweiz sei im Ansatz schon 1998 erkannt worden, wird Thomas Zeltner, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), im Bericht zitiert. Als Gegenmassnahme laufe seit drei Jahren das gemeinsam mit der Gesundheitsförderung Schweiz gestartete Programm «Suisse Balance» mit dem Ziel der Förderung eines gesunden Körpergewichts durch ausgewogene Ernährung und mehr Bewegung.
Laut der Schweizerischen Gesundheitsbefragung von 2002 sind 37 Prozent der erwachsenen Bevölkerung übergewichtig, 1992 waren es erst 30 Prozent.
Zuwenig Bewegung
Für das immer häufigere Übergewicht sind in erster Linie die vorwiegend sitzende Lebensweise mit wenig körperlicher Aktivität und der häufige Konsum von energiereichen Nahrungsmitteln verantwortlich, heisst es im Bericht.Eigentlich sei die Versorgung mit Nahrungsmitteln in der Schweiz gut, ergänzte heute in Bern Monika Eichholzer vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Zürich. Aber viele Menschen konsumierten zu viel Fett und Zucker.
Der beste Schutz vor Übergewicht böten regelmässige Bewegung und eine nicht zu energie-, aber dafür nahrungsfaserreiche Ernährung. Die unterwegs verzehrten Schnellimbisse würden immer beliebter und bestünden meistens aus energiereichen Nahrungsmitteln und zuckerhaltigen Getränken, die die Energiebilanz aus dem Gleichgewicht brächten.
In der Schweiz konsumieren laut Bericht fast ein Fünftel der 15- bis 24-Jährigen mehr als zwei Mal pro Woche Fast Food. Weiter gehörten Essstörungen zu den häufigsten psychosomatischen Erkrankungen bei weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen. Rund ein Prozent der 14- bis 17-jährigen Frauen litt an Magersucht oder Essbrechsucht.
Immer mehr Diabetes-Kranke
Die wachsenden Fettpolster führen laut Zeltner zu immer mehr Diabetes-Kranken. Rund 250000 Schweizerinnen und Schweizer würden derzeit an der so genannten Zuckerkrankheit leiden - und jedes Jahr seien es fast zehn Prozent mehr. Auch Herzgefässkrankheiten und Krebs werden durch Übergewicht gefördert.Den Kampf gegen Übergewicht gestaltet sich schwierig. Nicht in Frage kommen gesetzliche Vorschriften, wie Gesundheitsminister Couchepin klar machte. Der Bund solle nicht in den Teller des Bürgers langen, sagte er. Prävention und Ernährungsausbildung seien die besseren Mittel, um die Menschen zu gesünderem Essen anzuhalten.
Allerdings steht dem Bund relativ wenig Geld dafür zur Verfügung: Für die Ernährungsprävention gab der Staat im Jahr 2005 rund 1 Million Franken aus. Momentan prüfe das BAG, ob dieser Betrag durch Umlagerungen vergrössert werden könne, sagte Zeltner. Gleichzeitig ist ein Präventionsbericht in Bearbeitung. Er soll im Sommer 2006 vom Bundesrat behandelt werden.
Eine weitere Schwierigkeit im Kampf gegen falsche Ernährung ist die Komplexität von Gründen und Auswirkungen, wie Zeltner sagte. Im Unterschied zum Rauchen etwa gebe es noch keine Präventionsprojekte, von denen man mit Sicherheit wisse, dass sie funktionierten.
Unterernährung im Spital
Trotzdem gibt es laut BAG einige nationale Projekte, die einen gewissen Erfolg erzielten. Dazu gehören die Kampagnen «Suisse Balance», «5 am Tag» oder «action d», die unter anderem zu mehr körperlicher Bewegung und häufigem Obst- und Gemüsekonsum anregen sollen.Neben dem Übergewicht ist auch Mangelernährung ein Problem in der Schweiz. So habe eine Untersuchung in 50 grösseren Spitälern gezeigt, dass 20 bis 40 Prozent der Patienten unterernährt seien, sagte Eichholzer.
Viele würden unterernährt eingeliefert. Aber es komme auch vor, dass sich der Ernährungszustand im Spital weiter verschlechtere. Die Ernährung von Spitalpatienten müsse deshalb verbessert werden.
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