Schweiz

Luchs hatte Bleischrot im Körper

23. Dezember 2005, 13:54

Ein am vergangenen Montag im Kanton Neuenburg zu Tode gefahrener Luchs hatte Bleischrot im Körper. Er hat vor dem Unfall mindestens einen illegalen Abschussversuch überlebt.

Der erwachsene, männliche Luchs war am vergangenen Montag auf der Kantonsstrasse von Neuenburg nach La Chaux-de-Fonds auf dem Gemeindegebiet von Valangin überfahren worden, wie die Koordinierten Forschungsprojekten zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz (KORA) bekannt gaben.

Das Tier liess sich auf Grund der Fellmusterung als «Luchs B69» identifizieren, das in den vergangenen zwei Jahren wiederholt mit einer automatischen Kamera fotografiert worden war.

Der Luchs hatte im vergangenen Juli auf einer Schafweide bei Chezard-St-Martin im Kanton Neuenburg insgesamt zehn Schafe gerissen, davon sieben in einer einzigen Nacht. Solche Fälle von Mehrfachtötung sind bei Luchsen sehr selten. Im Normalfall wird ein Beutetier gerissen und danach im Verlauf mehrerer Nächte vollständig verwertet.

Kein Einzelfall
Der Fund von Bleischrot im Körper könnte laut KORA eine Erklärung für dieses ungewöhnliche Verhalten gegenüber Schafen liefern. Womöglich sei der Luchs damals durch die Schussverletzung in der Jagd auf wilde Beutetiere vorübergehend stark behindert gewesen. Vorher und nachher habe er nie ein Schaf gerissen.

Illegale versuchte und vollendete Luchsabschüsse sind laut KORA in der Schweiz keine Einzelfälle. Zwischen 2000 und 2005 wurden in der Schweiz 30 Kadaver von Luchsen gefunden, die an verschiedenen Ursachen, nicht aber an Schussverletzungen verstorben sind. Von ihnen trugen zehn Schrotkugeln im Leib. Sie waren damit in ihrem Leben mindestens einmal einem Wilderer begegnet.

Schweizer Luchs werden öfters Opfer von Verkehrsunfällen. 21 Prozent aller Luchse, die seit der Wiedereinbürgerung in den 1970-er Jahren tot aufgefunden wurden, waren im Strassen- oder Schienenverkehr gestorben. Noch häufiger ist mit einem Anteil von 25 Prozent illegale Tötung. Da sich diese Zahlen auf die Totfunde beziehen und bei Verkehrsunfällen getötete Tiere häufiger gefunden werden als widerrechtlich Geschossene, dürfte Wilderei laut KORA ein viel bedeutender Mortalitätsfaktor sein, als dies die Statistik ausweist.

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