Schweiz versinkt im Schnee
04. März 2006, 22:32Das Wetter hat in der Schweiz mindestens zwei Todesopfer gefordert. Der extreme Schneefall stürzte weite Teile der Alpennordseite in ein Chaos. Am Abend kamen die Autos auch auf den Autobahnen zum Teil nicht mehr vorwärts. In den Alpen herrscht grosse Lawinengefahr.
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Am gefährlichsten ist die Situation im Wallis, wo seit Mittwoch bis zu 110 Zentimeter Schnee gefallen sind. Das Lötschental, das Leukertal und das Goms waren heute völlig von der Umwelt abgeschnitten. Das Davoser Lawineninstitut warnte für die Regionen Montana und Leukerbad vor einer sehr grossen Lawinengefahr. Damit wurde in der Schweiz erstmals seit über zwei Jahren wieder die höchste Alarmstufe ausgerufen.
Die Autoverlade Lötschberg und Furka wurden eingestellt. Gesperrt wurde auch die Strecke Niederwald - Oberwald der Matterhorn-Gotthard-Bahn.
Feuerwehr im Dauereinsatz
Aber auch im Flachland löste der Schnee ein Chaos aus. Im Laufe des Tages breiteten sich die Schneefälle von Nordosten her immer mehr gegen Westen aus und erreichten am Abend auch die Westschweiz. Am Alpennordhang und im Gotthardgebiet wurden 30 bis 60 Zentimeter und in den übrigen Regionen zehn bis 30 Zentimeter Neuschnee gemessen.Unter der sehr nassen Schneelast knickten Äste und Bäume ein. Gebietsweise kam es auch zu Stromunterbrüchen. Die Polizeikorps mehrerer Kantone riefen dazu auf, auf Autofahrten zu verzichten und Spaziergänge in Wäldern zu unterlassen. Hunderte von Einsatzkräften der Strassenräumungsdienste und der Feuerwehren standen im Dauereinsatz.
20 Kilometer Stau auf der A2
Der Strassenverkehr kam zum Teil völlig zum Erliegen, so am Abend auch auf der Belchenrampe der Autobahn A2, wo die Autos quer standen. Der Verkehr auf der Autobahn A2 bei Härkingen hatte sich tagsüber zeitweise auf einer Länge von bis zu 20 Kilometern gestaut. Im Aargau und im Thurgau mussten zahlreiche Strassen geschlossen werden.Im Bahnverkehr in der Ostschweiz kam es zu Behinderungen. Einzelne Regionalzüge fielen aus, weil sie wegen des starken Schneefalls Probleme mit dem Kontakt zwischen dem Stromabnehmer und der Stromleitung hatten.
Im Kanton Zürich kam es allein zwischen 16 und 21.30 Uhr zu 27 Verkehrsunfällen mit teilweise erheblichem Sachschaden. Auch im Thurgau, Bündnerland und Aargau ereigneten sich zahlreiche Unfälle. In Birrwil landete ein Autofahrer auf dem Gleis der Seetalbahn und verursachte so grosse Verspätungen im Zugverkehr.
Tödlicher Unfall
Es gab bei den Unfällen auch ein Todesopfer zu beklagen. Eine 43-jährige Autolenkerin geriet im bernischen Oberönz auf der mit Schneematsch bedeckten Strasse ins Schleudern und prallte in einen Baum. Sie starb noch an der Unfallstelle.Das Unglück passierte kurz nach 11 Uhr, als die Frau auf der Bern-Zürich-Strasse von Seeberg in Richtung Herzogenbuchsee unterwegs war, wie die Kantonspolizei Bern mitteilte. Kurz nach der Abzweigung nach Steinhof geriet die aus der Region stammende Frau ins Schleudern und kam von der Strasse ab.
Bereits gestern Abend wurden beim Einsturz eines Baugerüsts in der Stadt Freiburg eine Jugendliche getötet und zwei weitere Menschen verletzt. Das Unglück ereignete sich um etwa 22.30 Uhr, als ein heftiger Westwindsturm tobte, wie ein Mitarbeiter der Freiburger Kantonspolizei auf Anfrage erklärte. Das Baugerüst bei der Hauptpost sei eingestürzt und habe einen 17-jährigen Jugendlichen getötet. Zwei weitere Passanten seien verletzt worden.
Der Präfekt des Sensebezirks, Nicolas Deiss, ordnete in der Folge die Sicherung des Unfallortes an. Die Umgebung der Post, darunter auch die Bar, wurde evakuiert. Zudem wurde eine psychologische Betreuung eingerichtet. Zur Klärung der Unfallursache wurde eine Untersuchung eingeleitet.
Verspätungen im Flugverkehr
Die Schneefälle haben heute auch zu massiven Problemen im Flugverkehr geführt. Der Flughafen Basel-Mülhausen wurde um 14 Uhr geschlossen, wie eine Sprecherin sagte. Ab diesem Zeitpunkt konnten die Flugzeuge weder landen noch starten. Die Flüge wurden annulliert oder umgeleitet.Auch im Flughafen Zürich-Kloten kam es zu Behinderungen. Die Räumtrupps standen ununterbrochen im Einsatz. Die Pisten wurden aber vorzu wieder eingeschneit, wie ein Sprecher sagte. Am Abend konnte noch rund ein Viertel der Flüge pünktlich abgefertigt werden. Die Verspätungen betrugen durchschnittlich eine Stunde. Zehn Flüge wurden annulliert.
Schneedecke im Mittelland
MeteoSchweiz erwartet, dass das Flachland bis morgen eine Schneedecke von bis zu 30 Zentimetern Dicke erhalten wird. Es dürfte bis gegen den Mittag weiter schneien.Der Westwindsturm, der in der Nacht auf gestern über die Schweiz hinwegfegte, wird nicht als aussergewöhnliches Ereignis in die Wetterannalen eingehen, wie der Meteorologe Urs Keller sagte. Mit Windspitzen von gut 90 Kilometern pro Stunde im Flachland war es auch kein Orkan. In erhöhten Lagen erreichte der Wind grössere Geschwindigkeiten. So wurden auf der Lägeren bei Baden 135 Kilometer pro Stunde gemessen, in Plaffeien im Kanton Freiburg 120 und in Rünenberg im Oberbaselbiet 115 Kilometer pro Stunde. In den Bergen war der Sturm sogar etwas weniger stark als in der Nacht zuvor. Auf dem Säntis gab es Windspitzen mit knapp Tempo 150.
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