Schweiz

FDP tadelt Marina Masoni

26. April 2006, 11:40

Marina Masoni gab in einem Interview mit dem «Corriere del Ticino» bekannt, dass sie sich 2007 der Wiederwahl stellen werde. Von der Tessiner FDP erhielt sie dafür prompt einen Rüffel.

Das Präsidium der Tessiner FDP hat die entmachtete Staatsrätin Marina Masoni wegen ihren Aussagen in einem Interview getadelt. Ob sich Masoni im April 2007 zur Wiederwahl stellen werde, entscheide nicht die Staatsrätin, sondern die Partei. Beim Aufstellen der Wahllisten stünden die «übergeordneten Interessen der Partei» im Vordergrund, teilte das FDP-Präsidium nach einer Sitzung in einem Communiqué mit.

Zuerst will die FDP jedoch dafür sorgen, dass die Kollegialität in der Regierung auch im letzten Legislaturjahr gewährleistet ist. Masoni wird deshalb aufgefordert, die Gespräche mit der parteiinternen Schlichtungskommission zu akzeptieren. Masoni sieht in diesem Schlichtungsverfahren jedoch keinen Sinn, da Erziehungsdirektor Gabriele Gendotti (FDP) im Grossen Rat betont hat, dass die Entmachtung der Finanzdirektorin nicht rückgängig gemacht werde. «Ich verstehe nicht, was es da noch zu vermitteln gibt», sagte Masoni in einem Interview mit dem «Corriere del Ticino».

Polemik neu entfacht
Überdies erklärte Masoni, dass sie sich im Frühjahr 2007 zur Wiederwahl stellen werde. Alles andere würde so aussehen, als ob sie nicht den Mut habe, sich dem Willen des Volkes zu stellen. Die in ihrer Abwesenheit beschlossene Entmachtung durch die vier übrigen Regierungskollegen kritisierte sie erneut als willkürlich. Das Parteipräsidium «bedauert die Tatsache, dass Marina Masoni das Schweigen gebrochen hat, um die Polemik gegen ihre Regierungskollegen neu zu entfachen», heisst es im Communiqué.

Masoni wird aufgefordert, ihre Arbeit mit einem «konstruktiven Esprit» wieder aufzunehmen, sobald ihr Gesundheitszustand eine Rückkehr an den Arbeitsplatz zulasse. Die Finanzdirektorin ist seit Anfang März arbeitsunfähig. Wegen einer Rückenverletzung, die sie sich beim Schlittschuhlaufen in den Ferien im Engadin zugezogen hatte, musste sie zwischenzeitlich hospitalisiert werden.

Beim Volk unten durch
Masonis «legitimer Wunsch», sich im kommenden Frühjahr zur Wiederwahl zu stellen, nimmt die Tessiner FDP zur Kenntnis. Laut Statuten sei allerdings die Parteileitung für das Aufstellen der Wahllisten zuständig.

Ob die wegen einer Steueraffäre in die Kritik geratene Masoni wiedergewählt würde, steht in den Sternen. In einer repräsentativen Umfrage unter tausend Stimmberechtigten gaben Anfang April bloss 16 Prozent der Befragten an, dass sie Masoni wiederwählen würden. 68 Prozent antworteten hingegen «Nein, ich werde sie nicht wählen».

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