Schweizweites Bienensterben

04. Mai 2006, 09:30

Ein grosser Teil der Schweizer Bienen hat den Winter nicht überlebt. Die Ursachen des Bienensterbens sind noch unklar. Obstbauern müssen mit Einbussen rechnen.

Das Bienensterben wurde zunächst in der Ajoie im Kanton Jura bemerkt. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Nutztiere und Milchwirtschaft, Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP), teilte im Februar mit, in der Ajoie seien die Bienenvölker dezimiert.

Inzwischen hat sich gezeigt, dass die ganze Schweiz betroffen ist, wie Jean-Daniel Charrière, Bienenspezialist bei der ALP, sagte. Er schätzt den Verlust auf insgesamt 20 bis 30 Prozent. Manche Imker hätten alle Bienen verloren.

Kalter Winter nicht schuld
Was genau zum Massensterben geführt hat, ist noch unklar. Der kalte Winter, der in Medienberichten als mögliche Ursache genannt wurde, ist laut Charrière jedoch kaum schuld. Auch in Kanada oder Skandinavien gebe es Bienen, gibt er zu bedenken.

Es sei eher das Wetter im vergangenen Spätsommer, das eine Rolle gespielt haben dürfte, erklärt der Forscher. Die feuchte und kalte Witterung könnte dazu geführt haben, dass die Bekämpfung des Bienenparasiten Varroa weniger wirksam gewesen sei als in anderen Jahren.

Die bisherigen Untersuchungen haben gezeigt, dass zahlreiche Bienenvölker vom Varroa-Parasiten, der auch Viren überträgt, befallen wurden. Der Parasit war früher mit chemischen Produkten bekämpft worden. Weil er Resistenzen entwickelte, werden seit ein paar Jahren Alternativmethoden eingesetzt, etwa Ameisensäure.

Allgemein geschwächt
Die Witterung im Spätsommer könnte die Wirksamkeit dieser Methoden beeinträchtigt haben, sagte Charrière. Möglich ist laut der ALP aber auch, dass Parasiten und Viren die Bienen besonders stark befallen haben, weil sie – aus einem unbekannten Grund – allgemein geschwächt waren.

Die Wissenschaftler glauben, dass verschiedene Faktoren zusammenkamen: die ungenügende Effizienz der Varroabekämpfung, die Einwinterung geschwächter Völker, die Spättracht, Pestizide und schliesslich klimatische Elemente. Zur näheren Untersuchung der Ursachen hat die ALP ein Forschungsprojekt lanciert. Bis sich der Bienenbestand erholt hat, dauert es ein bis zwei Jahre.

Unförmige Äpfel
Für die Obstbauern könnte dies Einbussen zur Folge haben: Charrière rechnet damit, dass manche Blüten gar nicht oder schlecht befruchtet werden. Bei einem Apfel beispielsweise braucht es für jeden Kern ein Pollenkorn. Wird er schlecht befruchtet, wächst er nicht regelmässig.

Weitere Nutz- oder Wildpflanzen sind weniger gefährdet: Viele Pflanzen blühen später, weshalb sie auch von anderen Bestäubern – etwa Wildbienen oder Hummeln – befruchtet werden können. Andere wiederum sind, wie der Raps, Selbstbestäuber und somit zum Gedeihen auf den Fleiss der Bienen nicht angewiesen.

In der Schweiz haben sich Verluste in den vergangenen Jahren gehäuft: Bereits 2003 kam es zu einem Verlust von insgesamt 25 Prozent. 2005 verzeichneten einzelne Regionen ein Bienensterben.

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