Schweiz

Überraschende klare Abstimmungsresultate

24. September 2006, 19:33

Das Schweizer Stimmvolk hat sich überaus deutlich für eine Verschärfung des Asyl- und Ausländerrechts ausgesprochen. Die Volksinitiative «Nationalbankgewinne für die AHV» wurde klar verworfen.

Die vor allem von der Linken, Hilfswerken und Kirchen als unmenschlich hart und völkerrechtswidrig bekämpfte Revision des Asylgesetzes passierte mit 1'598'500 Ja (67,8 Prozent) gegen 760'800 Nein (32,2 Prozent). Aus keinem einzigen Kanton wurde eine Nein-Mehrheit gemeldet.

Der Souverän folgte damit der Parole des Bundesrates und der bürgerlichen Parteien. Diese hatten geltend gemacht, dass trotz oder gerade wegen der verstärkten Massnahmen gegen Missbräuche der Schutz der tatsächlich Verfolgten im Sinne der Flüchtlingskonvention und der humanitären Tradition gewahrt bleibe.

Deutliches Ost-West-Gefälle
Am deutlichsten angenommen wurde das auf Betreiben von Justizminister Christoph Blocher im Parlament noch weiter verschärfte Asylgesetz mit 80,1 Prozent Ja im Kanton Schwyz. Mehrheiten von mehr als drei Vierteln meldeten auch Nidwalden (79,6), Appenzell Innerrhoden (78,6), Glarus (78,2), Thurgau (78,0), Obwalden (76,9), Aargau (76,2) und St. Gallen (75,5).

Am wenigsten gut kam die Gesetzesrevision in den Westschweizer Kantonen Genf (51,3 Prozent Ja), Jura (52,8), Neuenburg (52,9) und Waadt (57,2) an. Auch in Basel-Stadt stimmten nur 59,2 Prozent zu, in Freiburg immerhin schon 63,2, im Wallis 64,8.

Ausländergesetz im Windschatten
Das Ausländergesetz wurde in allen Kantonen und mit rund 1'601 900 Ja (68,0 Prozent) gegen gut 755'200 Nein (32,0 Prozent) angenommen. Es gilt für Staatsangehörige ausserhalb der EU und EFTA und beschränkt deren Zulassung zum Arbeitsmarkt auf besonders Qualifizierte. Es war bei den gleichen Kreisen unter Beschuss geraten wie das Asylgesetz, mit dem es die Zwangsmassnahmen teilt.

Nach Kantonen ergab sich ein sehr ähnliches Bild wie bei der Asylgesetzrevision. Das Höchstresultat lieferte allerdings mit 79,7 Prozent Ja der Kanton Nidwalden. Es folgten Schwyz (79,0), Appenzell Innerrhoden (78,8), Glarus (78,0), Thurgau (77,9), Aargau 76,6), Obwalden (76,4), St. Gallen (75,6) und Zug (75,5).

Wie beim Asylgesetz zeigte sich auch hier die Romandie weit weniger überzeugt. Im Kanton Genf wurde das Ausländergesetz nur mit 52,5 Prozent gutgeheissen, im Jura mit 52,7, in Neuenburg mit 52,8, in der Waadt mit 54,2. Auch Basel-Stadt zeigte sich mit 60,7 Prozent Ja relativ reserviert.

Keine Chance für Kosa-Initiative
Die AHV erhält keinen Zustupf aus den Nationalbankgewinnen. Volk und Stände haben die KOSA-Initiative deutlich verworfen und damit den heutigen Verteilschlüssel bekräftigt. Das linke Volksbegehren, nach dem der Reingewinn der Nationalbank künftig bis auf eine fix den Kantonen reservierte Milliarde in den AHV-Fonds hätte fliessen sollen, scheiterte mit rund 1'359'500 Nein (58,3 Prozent)gegen knapp 974'000 Ja (41,7 Prozent).

Von den derzeit jährlich ausgeschütteten 2,5 Milliarden gehen demnach weiterhin zwei Drittel an die Kantone und ein Drittel an den Bund. Gleichzeitig kommt jetzt - ein Referendum vorbehalten - der indirekte Gegenvorschlag des Parlaments zum Zug: Der AHV-Fonds erhält die 7 Milliarden, die der Bund aus den Goldverkäufen der SNB zugute hat.

Am deutlichsten fiel das Verdikt gegen Kosa in den Kantonen Obwalden mit 74,9 Prozent, Appenzell Innerrhoden mit ebenfalls 74,9 Prozent und Nidwalden mit 73,4 Prozent Nein aus. Angenommen wurde das Volksbegehren mit 53,6 Prozent Ja im Kanton Basel-Stadt. Auch Genf mit 51,3 Prozent und das Tessin sogar mit 57,5 Prozent sagten Ja.

Umfragen sagten Ja voraus
Einen Monat vor dem Urnengang hatten Umfragen noch eine Mehrheit für Kosa ergeben und die Befürworter aufgeschreckt. Nun aber setzten sich Bundesrat, bürgerliche Parteien, Nationalbank und Kantonsregierungen klar durch. Sie warnten davor, dem Staat Mittel zu entziehen und ohne echten Nutzen für die AHV die Unabhängigkeit der Nationalbank und damit die Stabilität des Frankens zu gefährden.
Dreifache Niederlage für SP und Grüne
Für den Bundesrat, die bürgerlichen Parteien und die Wirtschaft bedeutet der Abstimmungsausgang einen Sieg auf der ganzen Linie. SP und Grüne wurden vom Volk auf die Verliererstrasse geschickt.
Stimmbeteiligung 48,2 Prozent
48,2 Prozent der Stimmberechtigten haben über die Revision des Asylgesetzes, das Ausländergesetz und die Kosa-Initiative entschieden. Die drei Vorlagen erwiesen sich als etwas weniger attraktiv als jüngst die EU-Themen. Das Interesse war an diesem Wochenende immerhin ungleich grösser als am vergangenen 21. Mai. Damals hatte die neue Bildungsverfassung bloss 27,8 Prozent an die Urne gelockt. Übertroffen wurden auch die 42,3 Prozent der Abstimmung vom 27. November 2005 über die Gentech-Initiative und die Sonntagsverkäufe.

Stärker mobilisiert hatten hingegen die europapolitischen Geschäfte des letzten Jahres. Zur Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf die zehn neuen EU-Länder nahmen am 25. September 54,5 Prozent Stellung, zu Schengen/Dublin (und zum Partnerschaftsgesetz) am 5. Juni 56,6 Prozent. Am geringsten war das Interesse mit 39,6 Prozent im Kanton Uri. Nirgends sonst gingen weniger als 40 Prozent zur Urne.

Kosa-Initiative
  JA JA % NEIN NEIN % Beteiligung
ZH 167810 40.5 246325 59.5 51.3
BE 129215 42.5 174516 57.5 44.2
LU 43071 36.8 73939 63.2 49.0
UR 3376 34.1 6518 65.9 39.3
SZ 15846 34.1 30591 65.9 51.5
OW 2705 25.1 8081 74.9 47.2
NW 3697 26.6 10221 73.4 48.9
GL 3476 33.5 6901 66.5 41.5
ZG 12410 33.2 24983 66.8 54.4
FR 32772 39.7 49721 60.3 48.8
SO 33754 43.5 43804 56.5 46.6
BS 33519 53.6 29068 46.4 56.4
BL 41764 45.5 50047 54.5 51.5
SH 12803 42.5 17340 57.5 66.0
AR 6337 33.8 12406 66.2 51.6
AI 1181 25.1 3522 74.9 44.7
SG 55456 39.4 85461 60.7 47.8
GR 21412 37.8 35199 62.2 43.0
AG 62092 37.0 105546 63.0 45.0
TG 22426 33.8 43936 66.2 45.2
TI 50861 57.5 37548 42.5 44.7
VD 89596 46.1 104943 53.9 51.0
VS 33397 36.5 58007 63.5 48.7
NE 22745 41.8 31715 58.2 52.2
GE 61568 51.3 58362 48.7 54.8
JU 10708 49.8 10806 50.2 45.5

CH

973997

41.7

1359506

58.3

Ausländergesetz
  JA JA % NEIN NEIN % Beteiligung
ZH 289577 69.1 129627 30.9 51.6
BE 211128 68.8 95786 31.2 44.2
LU 87055 73.8 30858 26.2 49.2
UR 7250 72.9 2696 27.1 39.5
SZ 36937 79.0 9843 21.0 51.7
OW 8252 76.4 2551 23.6 47.2
NW 11149 79.7 2842 20.3 49.0
GL 8133 78.0 2297 22.0 41.5
ZG 28377 75.5 9225 24.5 54.5
FR 52781 63.3 30619 36.7 48.8
SO 57791 74.1 20251 26.0 46.6
BS 38651 60.7 24978 39.3 56.4
BL 65863 70.9 26979 29.1 51.7
SH 21372 70.8 8799 29.2 66.0
AR 13733 72.5 5212 27.5 52.0
AI 3731 78.8 1005 21.2 44.7
SG 107527 75.6 34706 24.4 48.2
GR 40431 71.0 16502 29.0 44.0
AG 129808 76.6 39744 23.4 45.0
TG 51978 77.9 14776 22.1 45.3
TI 59537 66.9 29501 33.1 44.6
VD 106375 54.2 90021 45.8 51.0
VS 59441 64.6 32590 35.4 48.7
NE 29083 52.8 26008 47.2 52.2
GE 63920 52.5 57947 47.6 54.8
JU 11550 52.7 10368 47.3 45.5

CH

1601430

67.9

755731

32.1

Asylgesetz
  JA JA % NEIN NEIN % Beteiligung
ZH 283683 67.4 136953 32.6 51.7
BE 209852 68.3 97347 31.7 44.2
LU 87555 74.3 30358 25.8 49.2
UR 7328 73.3 2670 26.7 39.6
SZ 37597 80.1 9316 19.9 51.8
OW 8320 76.9 2495 23.1 47.3
NW 11153 79.6 2867 20.5 49.1
GL 8170 78.2 2274 21.8 41.5
ZG 28085 74.6 9560 25.4 54.5
FR 52668 63.2 30633 36.8 48.8
SO 58382 74.8 19722 25.3 46.6
BS 38651 60.7 24978 39.3 56.4
BL 64972 70.7 26875 29.3 51.1
SH 21642 71.0 8850 29.0 66.0
AR 13649 72.3 5242 27.8 51.8
AI 3734 78.6 1015 21.4 44.7
SG 107787 75.5 34992 24.5 48.3
GR 40900 71.2 16537 28.8 44.0
AG 129463 76.2 40525 23.8 45.0
TG 52166 78.0 14692 22.0 45.3
TI 59082 66.4 29912 33.6 44.7
VD 112234 57.2 83897 42.8 51.0
VS 59625 64.8 32365 35.2 48.7
NE 29144 52.9 25926 47.1 52.2
GE 62340 51.3 59147 48.7 54.8
JU 11555 52.8 10322 47.2 45.5

CH

1599737

67.8

759470

32.2

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