Schüler politisch ahnungslos

31. Oktober 2006, 14:13

Die Schule versagt bei der politischen Bildung. In mehreren Deutschschweizer Kantonen wissen Neuntklässler praktisch nichts über das politische System der Landes.

Blick ins Eidgenössische Parlament: den Namen der Legislative kannten nur 10 Prozent der befragten Neuntklässler.
Blick ins Eidgenössische Parlament: den Namen der Legislative kannten nur 10 Prozent der befragten Neuntklässler.
Zum diesem Ergebnis kommt eine Studie von drei Pädagogischen Hochschulen. Befragt wurden rund 1500 Neuntklässler in den Kantonen Zürich, Bern und Aargau. Die Resultate seien «erschütternd», so der Berner Co-Autor und Fachdidaktiker der Pädagogischen Hochschule Bern, Daniel V. Moser.

So wussten zwar noch etwas mehr als die Hälfte der Befragten, dass die Exekutive der Schweiz Bundesrat heisst. Den Namen der Legislative kannten dagegen nur 10 Prozent. 30 Prozent tippten auf »Bundesrat«, andere auf «Grosser Rat» oder «Tagsatzung».

Rund ein Drittel meinten zu wissen, der Regierungsrat sei die Exekutive der Schweiz. Alle drei Gewalten auf Bundesebene konnte von fast 1500 befragten Schülern niemand richtig benennen.

Ernüchternd fielen laut Moser auch die Antworten zu politischen Prozessen aus. Gegen 70 Prozent denken, der Bundesrat entscheide, ob ein Referendum angenommen wird oder nicht. 85 Prozent glauben fälschlicherweise, Volksinitiativen würden meistens angenommen.

Ähnlich schlechte Ergebnisse ergaben die Antworten auf Fragen nach der Schweizer Geschichte aus. Fast die Hälfte glaubt, die Schweizer Demokratie bestehe seit 1291, und rund 75 Prozent der Schüler sind der Meinung: Die Schweiz sei im Zweiten Weltkrieg «ausschliesslich» wegen ihrer Neutralität verschont geblieben.

Romandie und Tessin wohl besser
Die Resultate könnten nicht auf die ganze Schweiz übertragen werden, sagte Moser. In den übrigen Deutschschweizer Kantonen hätten gemäss dem Experten «vermutlich ähnliche Ergebnisse resultiert», nicht jedoch in der Romandie und im Tessin.

Diese Annahme stützt Moser auf eine vor zwei Jahren publizierte internationale Studie «Civic education». Damals war die Schweiz im Vergleich mit 29 Ländern auf dem 19. Platz gelandet, die Schülerinnen und Schüler der lateinischen Schweiz hatten jedoch deutlich besser abgeschnitten.

Im Grundsatz bestätigt die neue Studie laut Moser jedoch den internationalen Befund, wonach es um die politische Bildung in der Schweiz schlecht bestellt ist. Bei der internationalen Studie war spezifisches Wissen über schweizerische Themen jedoch nicht getestet worden.

Die Resultate zeigten, dass «die Schule ihrer Aufgabe nicht gerecht wird», sagte Moser. Es gelinge nicht, erfolgreich Kenntnisse über politische Prozesse und Zusammenhänge zu vermitteln».

Unterricht ist extrem trocken
Zu den Gründen gehöre vermutlich die Tatsache, dass den Lehrern nur «extrem trockene» Staatskunde-Lehrmittel zur Verfügung stünden. In der Grundausbildung der Lehrkräfte würden zudem zuwenig inhaltliche und didaktische Informationen zur politischen Bildung vermittelt.

Die Studie «Geschichte und Politik im Unterricht» will laut Moser Grundlagen zur Verbesserung des Geschichts- und Politikunterrichts liefern und befasst sich auch mit der Arbeitsweise der Lehrkräfte. Sie soll im Juni 2007 abgeschlossen und der Öffentlichkeit präsentiert werden.

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