Zahlensalat bei Notrufnummern
16. Januar 2007, 00:06Das Bakom empfiehlt eine zentrale Notrufnummer 112 für Polizei, Feuerwehr und Ambulanz. Baselland und St. Gallen gehen als Pioniere voraus.
Von Annemarie Straumann
Am 25. Januar ist in Biel eine Sitzung anberaumt, an der es um Telefonnummern geht. Vertreter des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) treffen auf Vertreter des Schweizerischen Feuerwehrverbands und der Feuerwehr-Koordination Schweiz (FKS). «Wir glauben, dass die Migration der Notrufnummern, also auch der Feuerwehrnummer 118, auf die eine zentrale Nummer 112 die vernünftigste Lösung ist», sagt Bakom-Sprecher Bernhard Bürki. Ob das die kantonalen Feuerwehren auch so sehen, wird sich zeigen. Klar ist, es gibt ein Problem: Zu viele Schweizer wählen neuerdings die Nummer der Feuerwehr, wenn sie eigentlich bloss eine Auskunft wollen. Es herrscht ein Nummernsalat.
Hintergrund ist die Abschaffung der alten Auskunftsnummer 111. Seit Anfang Jahr existieren an Stelle der 111 diverse neue, vierstellige Auskunftsnummern mit den Zahlen 1 und 8. Wer zum Beispiel 1811 wählt, landet bei der Auskunft der Swisscom, mit 1818 erreicht man die Firma Auskunft AG, die von Orange und Sunrise mitgetragen wird. Dummerweise gleichen diese Zahlen der Notrufnummer der Feuerwehr, der 118. Und so erhält die Feuerwehr Falschanrufe, in Bern und Zürich zurzeit bis zu 90 Prozent.
Beim Bakom ist die Schuld nicht zu suchen. Das betonte Direktor Martin Dumermuth am Sonntag im Schweizer Fernsehen: Seit 1997 versuche man, den Notrufdiensten von Feuerwehr (118), Polizei (117) und Sanität (144) eine einheitliche Nummer schmackhaft zu machen, nämlich die 112. Die 112 ist die zentrale Notrufnummer auf dem Gebiet der Europäischen Union.
Notrufdienste sind Kantonshoheit
1997 sei klar geworden, dass die Zahlen 118 plus zwei weitere Ziffern in Europa für die Auskunft eingeführt würden, sagt Bakom-Sprecher Bürki. Zudem empfahl die europäische Normierungsbehörde Cept, die 112 als einzige Notrufnummer für Polizei, Feuerwehr und Sanität zu nutzen. Das Bakom habe darauf 1997 den Schweizerischen Feuerwehrverband und im Jahr 2000 auch die anderen Notrufdienste angeschrieben und ihnen die Migration ihrer Nummern auf eine gemeinsame Zentrale 112 empfohlen - ohne Erfolg. «Die Umsetzung liegt bei den Notrufdiensten der Kantone», so Bürki.
Warum aber verhalten sich die Kantone so ablehnend? Laut Peter Schneider, dem Generalsekretär der FKS, gibt es zwei Gründe. Zum einen die Finanzen. Eine Arbeitsgruppe von Feuerwehr, Polizei und Ambulanz, welche die Idee von zentralen, kantonalen Alarmzentralen zwischen 2003 und 2005 diskutierte, sei zum Schluss gekommen, dass die Investitionskosten zu hoch seien. Einige Kantone hätten eben erst eine neue Polizei- oder Feuerwehrzentrale gebaut und wollten nicht schon wieder Geld für Änderungen aufwerfen. Das zweite Nein kam von der Sanität: Diese argumentierte, sie habe Spezialisten an ihren Notruftelefonen, die Erste- Hilfe-Tipps geben könnten. Man nahm offenbar an, dass diese Kompetenz mit einer gemeinsamen Zentrale verloren gehe.
Dass dies nicht der Fall sein muss, zeigt das Beispiel des Kantons St. Gallen. Dort ist die Bakom-Vision Wirklichkeit: Seit acht Jahren haben die St. Galler eine kantonale Notrufzentrale mit der Nummer 112. «Wir waren die Ersten, die das zu Stande brachten: alle Blaulichtnummern unter einem Dach, die 117, die 118 und die 144», sagt Polizeisprecher Hans-Peter Eugster. Wer im Kanton diese drei Nummern oder die 112 wählt, landet immer am gleichen Pult. Den Anruf entgegen nehmen sieben Disponenten, fünf davon Polizisten, zwei Sanitäter. Sie bieten dann je nach Fall Polizeiauto, Feuerwehr oder Sanität auf. Das klappe gut, sagt Eugster.
Auch im Kanton Baselland gibt es eine Alarmzentrale mit der Nummer 112. Sie vereinigt die Nummern 117 und 118, nicht aber die 144. Die Sanität hat noch immer ihren eigenen Notrufdienst im Kantonsspital. Das kantonale Feuerwehrinspektorat steht voll hinter der Nummer 112. «Wir meinen, dass es eine Nummer für alle Notdienste braucht», sagt Feuerwehrinspektor Werner Stampfli.
Baselbieter Feuerwehrautos mit 112
Bereits sind fast alle Feuerwehrautos mit 112 angeschrieben, nicht mehr mit 118. Anders als St. Gallen wirbt Baselland sogar für die 112. Die Gebäudeversicherung, Sponsorin von Feuerwehrautos, hat dazu Broschüren gedruckt und verteilt.
In den anderen Kantonen gilt: Wer 112 wählt, landet meist bei der Polizei, die dann eventuell weiterhelfen kann.
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